Raubüberfall-Prozess Bohlen hat "permanent Angst"
Recklinghausen - "Ich nehme auf keinen Fall ihre Entschuldigung an. Wörter können kaum beschreiben, unter welcher Gewalt wir standen", sagte der Popstar heute als Zeuge vor dem Landgericht. Auch acht Monate nach dem Überfall habe er noch immer große Angst, sagte Bohlen. Sein Haus ähnele durch zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen mittlerweile mehr einem Gefängnis als einer Wohnung: "Das macht so keinen Spaß mehr", sagte Bohlen.
Er bekräftigte, die Beute habe 60.000 Euro betragen. Die beiden Angeklagten hatten dagegen ausgesagt, sie hätten von Bohlen unter Vorhalt von Messer und Schreckschusspistole 29.500 Euro erhalten. Bohlen erklärte, er ziehe es mittlerweile vor, im Ausland zu leben. Das sei der bessere Weg.
Auch Bohlens Freundin Carina betonte, sie könne seit dem Überfall keine Nacht mehr alleine schlafen. Bohlen und seine Freundin erklärten übereinstimmend, dass sie während des Überfalls permanent mit Pistole und Messer bedroht worden seien. "Sie sagten ständig 'Ich bring dich um' oder 'ich stech dich ab'", schilderte Bohlen den Ablauf.
Nach der Tat hatte Bohlen erklärt, er habe zwei Geldbündel mit 20.000 und 10.000 Euro sowie rund 30.000 gemischtes Geld an die Männer übergeben. Diesen Widerspruch, den der Richter Bohlen vorhielt, konnte er nicht aufklären. Er berief sich auf Erinnerungslücken. Die Verteidiger versuchten Bohlens Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Bohlens Versicherung hatte dem Gericht mitgeteilt, man habe dem 53-Jährigen 31.000 Euro ersetzt.
Tom F. und Osman Z. hatten zum Auftakt des Verfahrens vor der auswärtigen Jugendkammer des Landgerichts Bochum bereits gestanden, Bohlen am 11. Dezember 2006 in dessen Villa in Tötensen bei Hamburg mit einem Messer und einer Schreckschusspistole bedroht und Geld erpresst zu haben.
Auch Bohlens Gärtner, Haushälterin und Freundin Carina brachten sie gefesselt in ihre Gewalt. Nach Angabe der damals 17 und 18 Jahre Angeklagten gaben sie die Beute unter anderem für Kleidung, Handys und ein Fitnessgerät aus.
jdl/dpa/AP