Serena Williams will zu Rassismus nicht mehr schweigen - DER SPIEGEL
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Serena Williams: "Haben wir nicht schon genug durchgemacht?"

Foto: Luca Bruno/ AP

Serena Williams über Rassismus und Polizeigewalt "Haben wir nicht schon genug durchgemacht?"

Tennisstar Serena Williams hat Angst um ihren 18-jährigen Neffen. Weil Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA weiter zum Alltag gehört, hat sie beschlossen, zu Rassismus nicht mehr zu schweigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tennis-Ass Serena Williams hat auf ihrem Facebook-Account einen sehr persönlichen Beitrag zur Diskussion um Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA veröffentlicht.

Die 35-Jährige berichtet von einer Autofahrt mit ihrem ebenfalls dunkelhäutigen, 18-jährigen Neffen. Ein Polizeiwagen sei aufgetaucht und sie habe sofort die verstörenden Videobilder eines von der Polizei angeschossenen und sterbenden Mannes vor Augen gehabt.

Gemeint ist ein Video, das Diamond Reynolds am 6. Juli mit der Handykamera live auf Facebook gestreamt hatte. Darauf ist zu sehen, wie Philando Castiles seinen tödlichen Schussverletzungen erliegt. Der Polizeiübergriff in St. Paul, Minnesota, hatte zu Protesten und heftigen Auseinandersetzungen zwischen Bürgerrechtlern und Polizei geführt.

"Ich habe mich an dieses entsetzliche Video erinnert", schreibt Williams. "Ich würde mir selbst nie vergeben, wenn so etwas meinem Neffen zustoßen würde. Er ist so unschuldig." Als Castile von mehreren Polizeikugeln im Arm getroffen wurde und verblutete, saß die vierjährige Tochter seiner Freundin auf dem Rücksitz des Wagens und wurde Zeugin.

"Warum muss ich im Jahr 2016 über so etwas nachdenken?" fragt Williams. "Haben wir nicht schon genug durchgemacht, so viele Türen geöffnet, Milliarden von Leben beeinflusst?" Sie habe erkannt, dass die schwarze Community weiter voranschreiten müsse, "weil es nicht darum geht, wie weit wir gekommen sind, sondern wie viel weiter wir noch gehen müssen". Williams zitiert Martin Luther King: "Es kommt eine Zeit, in der Schweigen zum Verrat wird." Und versprach: "Ich werde nicht stumm sein."

Erst Mitte September war der 13-jährige Tyre King im US-Bundesstaat Ohio von der Polizei erschossen worden. Die Hinterbliebenen forderten am Dienstag eine unabhängige Untersuchung des Falls. Im Juni war in Columbus der 23-jährige Henry Green getötet worden. Die Fälle folgen auf eine ganze Reihe von Polizeiübergriffen, darunter in Charlotte, North Carolina, und Tulsa, Oklahoma.

Williams schließt sich einer ganzen Reihe von prominenten Sportlern an, die sich explizit gegen Polizeigewalt und Rassismus ausgesprochen haben. Im August hatte der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, für landesweite Aufregung gesorgt, als er sich weigerte, für die Nationalhymne aufzustehen, solange "ein Land schwarze und farbige Menschen unterdrückt". Auch Vertreter der National Football League (NFL) protestierten oder meldeten sich zu Wort.

Am Montag sagte Basketballstar LeBron James Reportern, auch er sorge sich um das Leben seiner Kinder und habe Angst, sein elfjähriger Sohn könne in die Hände eines "bösen" Cops fallen. Zwar sage er seinen Kindern immer, wenn sie freundlich und zugewandt seien im Kontakt mit Polizisten, werde es keine Probleme geben. Dann aber sehe man die Gewaltvideos. "Dann bin ich gar nicht mehr so überzeugt, dass alles gut geht, wenn mein Sohn angehalten wird, und dass er wieder nach Hause kommt."

Serena Williams unterstützt die Protestbewegung "Black Lives Matter" und hat bereits in der Vergangenheit darüber gesprochen, wie es ist, als Schwarze in einem überwiegend "weißen" Sport zu arbeiten. "Der rassistische Unterton war schmerzlich, verwirrend und ungerecht", schrieb sie in einem Essay in "Time".

Die 35-Jährige ist außer Steffi Graf die einzige Tennisspielerin, der es gelang, zweimal hintereinander alle vier Grand-Slam-Turniere zu gewinnen. Insgesamt gewann sie 22 Grand-Slam-Turniere im Einzel, 14 im Doppel und zwei im Mixed.

ala