Susan Boyle: "Kaninchen im Scheinwerferlicht" - DER SPIEGEL
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Susan Boyle "Kaninchen im Scheinwerferlicht"

Susan Boyle zeigt Nerven. Die unscheinbare Britin, die erst in einer Talentshow, dann im Internet durch ihre Gesangskünste zum Star avancierte, scheint dem öffentlichen Druck nicht gewachsen. Angeblich wollte sie sogar aus dem Wettbewerb aussteigen. Die Produzenten reagierten.
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London - Von null auf hundert, vom unscheinbaren Mauerblümchen zum Superstar - Susan Boyle, Kandidatin der Fernsehshow "Britain's Got Talent", die nach einem anrührenden Gesangsauftritt weltberühmt wurde, scheint dem damit verbundenen Druck nicht gewachsen.

"Am Mittwoch war sie kurz davor, die Show zu verlassen. Sie hatte ihre Taschen bereits gepackt, weil sie keinen Sinn mehr darin sah weiterzumachen, wenn sie dermaßen verfolgt wird", sagte Piers Morgan, einer der Juroren der Show "Britain's Got Talent", dem Fernsehender ITV.

Boyle habe die zahllosen hämischen Kommentare in der Presse und im Internet, insbesondere nach ihrem etwas wackeligen Auftritt im Halbfinale, nicht mehr ertragen. "Ihr schlug viel Zynismus und unnötige Kritik entgegen, und wir sollten ihr eine Pause gönnen", sagte Morgan weiter. "Sie merkt jetzt, dass ihr Leben nie mehr so sein wird, wie es mal war."

In den vergangenen Tagen hatten britische Tageszeitungen zudem berichtet, dass es zwischen Boyle und fragwürdigen Fans in einem Hotel zu einer Konfrontation gekommen sei, die erst von der Polizei entschärft wurde. Dabei habe die so sanftmütig scheinende Boyle komplett die Contenance verloren und derbe Flüche ausgestoßen.

Auch über Juror Morgan soll sie Unflätiges geäußert haben, als dieser eine Mitbewerberin in der Show lobte. Susan Boyle erinnere ihn inzwischen an ein "vom Autoscheinwerfer gelähmtes Kaninchen", schrieb Morgan in seinem Blog.

Nun wurde Boyle laut "Daily Mail" von den Produzenten der Talentshow aus dem Verkehr gezogen - man habe sie bis zum Finale in einem "geheimen Versteck" untergebracht.

Eine Sprecherin der Show bestritt, dass Boyle nicht zum Finale antreten werde: "Sie will sich jetzt ganz auf ihre Performance konzentrieren. Das Wohl unserer Teilnehmer hat bei uns oberste Priorität."

Klick-Hit bei YouTube

Boyle hatte im April mit ihrem ersten Auftritt weltweit Berühmtheit erlangt. Als die stämmige Schottin in der Vorrunde der Show schlecht frisiert und ungünstig gekleidet ans Mikrofon trat, wurde sie vom Publikum ausgelacht, die Juroren rollten mit den Augen. Doch mit ihrem Lied "I Dreamed A Dream" aus "Les Miserables" ließ sie nicht nur die zunächst spottende Jury verstummen.

Auf dem Online-Portal YouTube wurde der Live-Mitschnitt ihres Vorrunden-Triumphs bisher rund hundert Millionen Mal abgerufen. Seit Wochen ist der "haarige Engel", wie Boyle von der britischen Presse getauft wurde, in allen großen Talkshows zu Gast. Ihre Sozialwohnung im trostlosen Industrieort Blackburn westlich von Edinburgh wird von Fotografen belagert. Star-Schauspielerin Demi Moore und Rocker Bon Jovi outeten sich bereits als Boyle-Fans.

Zunächst genoss Boyle den Erfolg, glaubte, gut mit ihm umgehen zu können. "Warum sollte ich mich ändern?" antwortete sie auf eine entsprechende Frage von US-Talkmaster Larry King. Die wichtigste Änderung habe sich bereits ergeben: "Ganz sicher werde ich nun nicht mehr einsam sein."

Boyle, nach eigenen Angaben bisher ungeküsst, lebt seit dem Tod ihrer Mutter vor zwei Jahren allein. Berichten zufolge wurde sie als Mädchen viel gehänselt, durch Sauerstoffmangel bei ihrer Geburt kämpfte sie später mit Lernschwierigkeiten.

Bruder kritisiert fehlende Hilfe

Ihr 59-jähriger Bruder John beschwerte sich in der Zeitung "Sun" über fehlende Hilfe für seine Schwester. "Sie wurde ununterbrochen in den vergangenen sieben Wochen von Fans gejagt. Jeder hat eine Schmerzgrenze - und auch sie ist nur ein Mensch. Normalerweise halten Profis diesen Stress von Prominenten fern, aber sie hatte diesen Schutz nicht."

Bislang gilt die schottische Amateursängerin als Favoritin für das Finale, dessen Sieger neben einem Scheck von 115.000 Euro ein Auftritt vor Königin Elisabeth II. winkt. Buchmacher, die sich über Umsatzsprünge durch den "Boyle-Faktor" freuen, unken jedoch, dass die Schottin ihr "Underdog-Image" mittlerweile verliere, so dass sich der Wirbel um sie als Nachteil herausstellen könnte.

Zudem muss sich Boyle gegen starke Mitbewerber durchsetzen, die sich in den vergangenen Tagen ebenfalls für das Finale qualifiziert hatten. Auch wenn sie nicht gewinnt - Boyle wird Medienberichten zufolge demnächst einen Plattenvertrag unterschreiben und möglicherweise sogar eine Musical-Rolle im Londoner West End übernehmen.

siu/AFP/dpa

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