US-Rapperin Foxy Brown Knast war eine "Lernerfahrung"
New York - Es gibt Rapper, die sich verbal mächtig ins Zeug legen, um ihre Glaubwürdigkeit als harte Hunde unter Beweis zu stellen, und solche, die deutlich mehr tun: Foxy Brown, 29 Jahre jung, gehört zur letzten Sorte.
2006 war sie zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt worden, weil sie zwei Mitarbeiterinnen eines Maniküresalons in Manhattan wegen eines Disputs über eine 20-Dollar-Rechnung tätlich angegriffen hatte. Die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Inga Marchand heißt, saß seit September hinter Gittern, weil sie nach wiederholten Fällen von Körperverletzung ihre Bewährungsauflagen verletzt hatte.
Auch im Gefängnis ging der Rapperin ihr Temperament durch, was ihr wegen einer Schlägerei mit einer Mitgefangenen zwei Monate Einzelhaft einbrachte. Jetzt, nach nur acht Monaten einer eigentlich auf zwölf Monate angesetzten Haftstrafe, ist sie wieder auf freiem Fuß - und kündigt, ihre vorbildlich unvorbildliche Knast-"Credibility" im Rücken, ihr nächstes Album an.
Die Musikerin wurde am Freitag aus dem New Yorker Gefängnis Rikers Island entlassen, wo sie Verwandte, Freunde, Fans und Reporter in Empfang nahmen, berichtete der Online-Dienst der US-Zeitschrift "People". Statt dicker Lippe waren von ihr zunächst eher diplomatische Töne zu hören. Sie fühle sich gut, sagte sie den anwesenden Reportern. Den Gefängnisaufenthalt beschrieb sie euphemistisch als "Lernerfahrung".
Wie genau man das zu verstehen hat, wird man ihrem neuen Album "Brooklyn's Don Diva" entnehmen können, das schon im Mai veröffentlicht werden soll. Dass sie dort Geschichten über Läuterung und Einsicht zu erzählen hat, lässt zumindest der Titel nicht wirklich vermuten.
Ganz ohne Pathos ging es dann aber doch nicht: Zuerst wolle sie nun zur Kirche und auf die Knie gehen, sagte sie den Reportern. Im Anschluss an dieses Lippenbekenntnis fuhr sie in einem weißen Rolls Royce Phantom zum Shopping nach Harlem. Danach ging es zum Elternhaus in Brooklyn, wo nicht nur Mama Judith Marchand mit lustigen Luftballons, sondern auch ein Kamerateam des ehemaligen Musiksenders VH1 schon warteten: Der Sender verarbeitet Foxys glückliche Befreiung zu einer so genannten Reality Soap.
Dass der Begriff Realität in diesem Kontext durchaus dehnbar ist, unterstrich die Rapperin direkt mit einem Statement für die Kameras: "Ich hab fast ein Jahr im Knast gesessen, ein Jahr im Gefängnis, nur weil ich Foxy Brown heiße." Auch ihre dichterische Freiheit hat die Gute also offenbar wiedererlangt.
pat/dpa/rts