Modenschau von Versailles: Die Best Ager Models
Versailles-Models von 1973 In Schönheit gealtert
Hamburg - Bethann Hardison, Alva Chinn und Pat Cleveland sind alle jenseits der 50 und hatten ihren legendären Auftritt 1973, bei der Modenschau in Versailles. Damals sorgte eine Gruppe von aufstrebenden US-amerikanischen Designern, darunter Halston, Anne Klein und Bill Blass, für eine Überraschung - nicht nur mit ihrer sportlichen Mode, sondern vor allem mit ihren für damalige Zeiten ungewöhnlichen Models: Sie schickten farbige Frauen auf die Laufstege, darunter Hardison, Chinn und Cleveland.
Das Magazin "O", das zu dem Imperium von Oprah Winfrey gehört, holte einige der Versailles-Models nun für seine Mai-Ausgabe zurück vor die Kamera. Eines der Fotos, die von Lorenzo Agius aufgenommen wurden, zeigt die Grandes Dames in edlem schwarz-weißen Ambiente, zusammen mit einigen jüngeren Kolleginnen wie Joan Smalls und Kinee Diouf.
"Ich weiß nicht, wo die amerikanische Mode heute wäre, wenn wir diese Legenden nicht gehabt hätten", sagte Adam Glassman, der Kreativdirektor von "O", der Nachrichtenagentur AP. Die Models aus Versailles hätten es verstanden, ihr Aussehen und ihre Persönlichkeit zu nutzen, um Mode zu verkaufen. Die Frauen seien für die "O"-Ausgabe über Alter perfekt gewesen - denn sie seien in Schönheit und mit Mut gealtert.
Damals war ihnen nicht bewusst, wie bahnbrechend ihr Auftritt war - doch inzwischen ist klar: Sie legten den Grundstein für eine neues Zeitalter auf dem Laufsteg, sie füllten den Slogan "Black is Beautiful" mit Leben. "Wir wussten nicht, dass es symbolisch oder historisch war, aber das ist es ja auch niemals, bevor es geschehen ist", erinnerte sich Hardison an ihren Auftritt 1973. "Man muss etwas einfach immer im Kontext sehen. Dann erfahren die Menschen davon und sagen 'wow'."
Die Designer hätten sie und die anderen Models nicht für ein soziales Statement genutzt, sondern hätten das weltweite Publikum reflektieren wollen, für das sie Mode machten, so Hardison. Einige Designer und Marken machten das noch heute, doch die meisten seien der Meinung, dass dunkle Models von ihrer Mode anlenkten.
Hardison, die inzwischen auf der anderen Seite steht und Models vermittelt sowie Castings organisiert, kritisiert eine "Erosion" in der Branche: "Das klassische 'Fashion Model' ist ausgestorben. Es gibt keine Musen mehr, es sind Mädchen, die Kleider tragen." Heute wollten Designer keine Models mehr, die einen starken Wiedererkennungswert hätten: "Sie suchen sich Mädchen, die man nicht wahrnehmen würde."
Im vergangenen Jahr wurde den Models aus Versailles bereits einige Aufmerksamkeit zuteil: Das Costume Institute des Metropolitan Museums of Art ehrte sie, ABC News brachte eine Dokumentation über sie und die "Huffington Post" zeichnete sie im Herbst mit den Game Changer Awards aus. Hardison hat dazu eine eindeutige Meinung: Diese ganze Aufmerksamkeit sei sehr nett, aber auch überraschend nach all den Jahren.