Levke-Mörder: Fahnder rollen alten Fall wieder auf - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Levke-Mörder Fahnder rollen alten Fall wieder auf

Nach dem Geständnis des mutmaßlichen Mörders der achtjährigen Levke aus Cuxhaven nimmt die Staatsanwaltschaft die Vergangenheit des 31-Jährigen ins Visier. Dabei geht es um ein mögliches versuchtes Sexualdelikt aus dem Jahr 2000. Beweise gab es damals nicht, deswegen wollen die Fahnder den Mann zu einem Geständnis bewegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Cuxhaven/Attendorn - Der Bremerhavener Oberstaatsanwalt Uwe Lyko sagte, er wolle sich um eine Aussage des Mannes zu dem noch nicht verjährten Fall bemühen. Marc H. soll damals ein geistig behindertes 17-jähriges Mädchen in sein Auto gelockt, gefesselt und sexuell genötigt haben. Ihm sei aber nichts nachzuweisen gewesen, zumal er damals die Aussage verweigert habe. Sachbeweise gibt es laut Lyko nicht, der Fall wäre nur mit einem Geständnis zu klären.

Der Anwalt des zweifachen Vaters wollte sich nicht zur Frage äußern, ob sein Mandant noch einmal aussagt oder von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht. H. ist bereits wegen einer versuchten Vergewaltigung 1994 vorbestraft.

Marc H. wurde 1973 im sauerländischen Plettenberg geboren. Im Alter von sieben Jahren zog er mit seinen Eltern in das Dörfchen Nuttmecke bei Attendorn, berichtet die "Westfälische Rundschau". H. habe die Grundschule im benachbarten Lichtringhausen besucht, wo er "auffallende schulische Probleme" hatte. Eine Nachbarin berichtete dem Blatt, der heute 31-Jährige sei schon in früher Kindheit von seiner Mutter dominiert worden. "Der durfte nicht mal alleine Fahrrad fahren", zitiert die Zeitung die Frau.

Nach Angaben des Blattes hatte der gelernte Installateur 1990 bis 1991 einen Zeitvertrag bei der Stadt Attendorn und war als Wegewärter beim städtischen Bauhof tätig. Seine einstigen Kollegen beschreiben den Mann als Einzelgänger, er sei "groß und langsam" gewesen.

Im Fall Levke wird weiter ermittelt: Zur Klärung des Mordes müssten nun unter anderem die Angaben von Marc H. im Detail überprüft werden, sagte der Sprecher der Sonderkommission. Zudem müssten die Ermittler sämtlichen noch offenen Hinweisen nachgehen, um so weiteres belastendes, aber womöglich auch entlastendes Material zu Tage zu fördern.

Die Staatsanwaltschaft will Anfang 2005 Anklage erheben. Der arbeitslose Marc H. war am Mittwoch wegen Mordes und schweren sexuellen Missbrauchs an dem Mädchen inhaftiert worden, die er am 6. Mai entführt haben soll. Zuvor legte er nach Polizeiangaben ein umfangreiches Geständnis ab, verweigerte beim Haftrichter dann aber die Aussage.