Levke-Prozess "Marc kuschte vor seiner Mutter"
Stade - Er sei ein unauffälliger und stark verhätschelter Junge gewesen, sagte die Zeugin heute im Gerichtssaal. "Marc kuschte immer vor seiner Mutter." Die Frau fügte hinzu, die Mutter habe in der Familie eine überaus dominante Rolle gespielt. Die 57-Jährige hatte die Ermittler seinerzeit auf Hoffmann aufmerksam gemacht.
Ihre eigene Tochter sei vor 25 Jahren von Hoffmanns Vater sexuell genötigt worden, berichtete die Zeugin. Dieser habe ihr damals kaltschnäuzig erklärt, er interessiere sich für blonde Mädchen, schwarzhaarigen tue er hingegen nichts an. "Früher wurde über solche Vorfälle nicht geredet", sagte die Zeugin. Der Zwischenfall blieb daher in der Familie.
Als die blonde Levke tot gefunden wurde, zog die Zeugin Parallelen zwischen Hoffmanns Vater und dem Angeklagten: "Die Gene des Vaters wurden ja vererbt", erklärte sie vor Gericht. Außerdem seien die Örtlichkeiten des Verschwindens der Kinder nahezu identisch mit Hoffmanns früheren Wohn- und Aufenthaltsorten. Sie habe sich wegen der Bekanntschaft mit Hoffmanns Mutter lange Zeit nicht der Polizei anvertraut, sagte die Zeugin, die die Familie des Angeklagten seit Jahrzehnten kennt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Hoffmann vor, im Mai 2004 Levke in Cuxhaven unter einem Vorwand in sein Auto gelockt und sie später ermordet zu haben. Ende Oktober soll er den achtjährigen Felix getötet haben. Hoffmann, der selbst zwei Töchter hat, sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft. Er hat die Morde an Levke und Felix zugegeben.
Die niedersächsische Polizei war Hoffmann bereits lange vor seinem zweiten Verbrechen auf der Spur. Sie hatte bei einer Überwachungsaktion seinen Wagen drei Mal auf dem Parkplatz gefilmt, auf dem der Schulranzen und die Jacke der getöteten achtjährigen Levke gefunden worden waren. Der Fahrer des Wagens sei auf den Videos aber nicht erkennbar, sagte der Sprecher der Sonderkommission Levke, Günter König-Kruse, am Abend. Er korrigierte damit vorher gemachte Angaben.