Libanon: Deutschlandflaggen im Mittelmeerwind - DER SPIEGEL
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Libanon Deutschlandflaggen im Mittelmeerwind

Eine unerwartet machtvolle Demonstration von Germanophilie spielt sich zur Zeit im Nahen Osten ab: Seit die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zuerst Saudi-Arabien und dann Kamerun besiegt hat, wehen von der Hafenstadt Tripolis im Norden bis nach Tyrus an der Grenze zu Israel Tausende schwarz-rot-goldener Fahnen.
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Der Zedernstaat, selbst in der Vorrunde gegen Thailand ausgeschieden, feiert den Einzug der Deutschen ins Achtelfinale. Sogar in den berüchtigten Palästinenserlagern Sabra und Schatila im Süden von Beirut hängen überdimensionale deutsche Flaggen von den Hauswänden, mit deutlichem Abstand gefolgt von brasilianischen Wimpeln und italienischen Trikoloren.

Die alte Liebe der Levantiner zum deutschen Fußball hat politisch-historische Gründe: Der Sieg des deutschen Teams um Franz Beckenbauer und Gerd Müller im WM-Finale am 7. Juli 1974 war das letzte große Weltereignis, das die fußballbegeisterten Libanesen noch im Frieden erlebten - und wurde in der kollektiven Erinnerung der Levantiner zum Symbol für die gute alte Vorkriegszeit. Ein dreiviertel Jahr später, am 20. April 1975, begann der libanesische Bürgerkrieg, von dem das Land sich bis heute nicht erholt hat.