Limburger Bischofsresidenz: Fragen und Antworten - DER SPIEGEL
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Limburger Bischofsresidenz Teures Pflaster

"Ein Bischof braucht keine luxuriöse Residenz", sagte Franz-Peter Tebartz-van Elst, bevor er sein Amt in Limburg antrat. Dann rollte die Kostenlawine. Wann war der Bischof darüber informiert? Wussten die Kontrollgremien Bescheid? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Franz-Peter Tebartz-van Elst: "Leider eine unzutreffende Aussage"
Franz-Peter Tebartz-van Elst: "Leider eine unzutreffende Aussage"

Franz-Peter Tebartz-van Elst: "Leider eine unzutreffende Aussage"

Foto: Boris Roessler/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

1. Wer war über die Kostensprünge informiert?

Tebartz-van Elst und sein Generalvikar Franz Kaspar hatten allein die Zuständigkeit für den Neubau. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG informierte die beiden Männer nach SPIEGEL-Informationen jährlich über alle aufgelaufenen Kosten. Abgezeichnet wurden Rechnungen und Belege laut "FAZ" zudem von Dombaumeister Tilmann Staudt und Architekt Michael Frielinghaus.

Ganz zu Beginn nahm sich das Projekt vergleichsweise bescheiden aus. Erst war von rund drei, dann von 5,5 Millionen Euro die Rede. Dass diese Summe nicht reichen würde, war frühzeitig klar. Noch vor Baubeginn 2009 gab es interne Kostenschätzungen, in denen 17 Millionen Euro veranschlagt wurden. Eine interne Kalkulation aus dem Jahr 2011 geht von 27 Millionen Euro aus.

2. Was wussten die Kontrollgremien?

Das Domkapitel ist das höchste Leitungsgremium des Bistums. Die Mitglieder sollen eigentlich "den Diözesanbischof bei der Leitung des Bistums" unterstützen, heißt es auf der offiziellen Website . Dazu gehörte auch die Vermögensverwaltung des Bischöflichen Stuhls, einer Art Schattenhaushalt, der gegenüber dem Staat nicht auskunftspflichtig ist.

Tebartz-van Elst hatte schon Ende 2008 das Domkapitel von der Finanzaufsicht ausgeschlossen. Stattdessen berief er ein neues Gremium mit ausgewählten Mitgliedern: den Vermögensverwaltungsrat. Erst unter öffentlichem Druck gab Tebartz-van Elst bekannt, wer dem neuen Rat angehört: Jochen Riebel, Theodor-Michael Lucas und Carl-Friedrich Leuschner. Riebel ist ehemaliger Leiter der Hessischen Staatskanzlei, Lucas Vorstandsprecher eines großen Trägers von Sozialeinrichtungen, Leuschner Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Im Sommer 2011 bekamen die Mitglieder eine Planung für den Bau vorgelegt. Darin war von 17 Millionen Euro Kosten die Rede - noch vor Beginn der Bauarbeiten, wohlgemerkt. Im Sommer 2012 genehmigte das Gremium eine Finanzierung über 15,7 Millionen Euro.

Am 2. Oktober 2013 legte Dombaumeister Staudt laut "FAZ"  erstmals gegenüber dem Vermögensverwaltungsrat die Kosten offen; am 7. Oktober sprach das Gremium mit dem Bischof darüber. Der Bischof soll beteuert haben, er habe damit nichts zu tun und davon nichts gewusst. Riebel soll ihn dann angeschrien haben: "Sie sind ein Lügner." Der Vermögensverwaltungsrat ließ verbreiten, Tebartz-van Elst habe die Mitglieder hinters Licht geführt.

3. Welche Kosten nannten das Bistum und Tebartz-van Elst?

Schon im Jahr 2008 gab es heftige Kritik an den Sanierungs- und Neubauarbeiten am Limburger Domberg. 3,5 Millionen Euro erschienen den Kritikern zu viel. Das Bistum sagte im Januar 2008 zu, nur noch 1,65 Millionen auszugeben. Tebartz-van Elst sagte wenige Tage vor seiner Amtseinführung: "Ein Bischof braucht keine luxuriöse Residenz. Es reicht, wenn ein Bischofshaus die Möglichkeit zur Gastfreundschaft bietet und in der Nachbarschaft zum Dom und Amtssitz liegt: So haben Bischöfe möglichst viel Zeit für ihre Aufgaben und die Menschen des Bistums." Der Bau der Bischofswohnung sollte 650.000 Euro kosten.

Im Juni 2008 teilte das Bistum mit, die Gesamtkosten für Neubau und Sanierung seien auf maximal zwei Millionen Euro begrenzt. Gut zwei Jahre später, im Dezember 2010, hieß es, die Arbeiten würden 5,5 Millionen Euro kosten, eine Million davon für das Bischofshaus. Als abzusehen war, dass auch diese Summe nicht ausreichen würde, sagte der Bischof im August 2012 in einem Interview, eine ""seriöse Auskunft" über die Kosten könne erst "nach Abschluss aller Arbeiten erfolgen".

Als diese im Juni 2013 abgeschlossen waren, ließ Tebartz-van Elst Gesamtkosten von 9,85 Millionen Euro mitteilen - 2,5 Millionen aus Kirchensteuermitteln, der Rest aus dem Bischöflichen Stuhl.

Es dauerte nicht einmal einen Monat, bis diese Summe offiziell als zu gering deklariert wurde. Im Juli 2013 teilte das Bistum mit, die 9,85 Millionen umfassten die Arbeiten am historischen Bestand, keine Neubauten. Die Gesamtkosten seien deutlich höher. Als Sündenbock musste Diözesanbaumeister Tilmann Staudt herhalten. Dieser habe "leider eine unzutreffende Aussage gemacht", hieß es.

Inzwischen werden die Kosten mit mindestens 31 Millionen Euro veranschlagt. Das wäre wohl rund ein Drittel des Vermögens des Bischöflichen Stuhls, das Tebartz-van Elst bei seinem Amtsantritt 2008 vorfand.

4. Was führte zur Kostenexplosion?

Es lässt sich nicht sagen, dass der Bau der Bischofsresidenz schlecht geplant war. Aber der ursprüngliche Plan wurde nicht umgesetzt. Es gab so viele nachträgliche Wünsche und dadurch bedingte Planänderungen, dass die Kosten aus dem Ruder liefen.

Das hat vor allem mit den Vorstellungen des Bauherrn zu tun. In den ersten Planungen aus dem Jahr 2008 war etwa noch davon die Rede, "möglichst keine Unterkellerung" zu bauen. Dann, im Zeitraum März 2009 bis Mai 2010, Änderungswünsche: Plötzlich sind eine "Unterkellerung Wohnriegel" und eine "Unterkellerung Eingangstrakt" vorgesehen. Weil die Räume teuer in den Fels gefräst werden mussten, war die Statik der alten Gebäude gefährdet. Sie mussten mühsam und teuer gesichert werden.

Auch die Ausstattung "Mittlerer bis leicht gehobener Standard" blieb nicht unangetastet. Einige Beispiele:

  • "nachträgliche Verkleidung von Stahlbeton-Stützen im Foyer mit schlanken großformatigen Natursteinplatten"
  • "Integration der Seilwinde (Kapelle) in bereits fertig gestellten Rohbau"
  • "Aufnahme zusätzlicher 'Alabaster-Steinfenster' in den Untergeschossräumen der Kapelle"
  • Und schließlich, nach dem Einzug: "Beauftragung eines Taubenabwehrsystems"

In der Summe wurde aus einem 147-Quadratmeter-Bau für den Bischof ein 2000-Quadratmeter-Komplex. Inzwischen sind allein für die Privaträume des Bischofs Kosten von drei Millionen Euro aufgelaufen - mehr, als zwischenzeitlich für alle Arbeiten insgesamt veranschlagt war. Hinzu kommen unter anderem ein Atrium für 2,3 Millionen, eine Privatkapelle für 2,9 Millionen und knapp 800.000 Euro für die Neuanlage eines Gartens.

5. Wird der Bau noch teurer?

Das ist gut möglich. Die Stadtverwaltung rechnet laut "Welt am Sonntag" mit Folgekosten, verursacht durch Schäden in der direkten Umgebung der Residenz, die durch die Baumaßnahmen entstanden sind, etwa Straßenschäden und Beschädigungen an Häuserfassaden. So könnte die Summe auf 40 Millionen Euro steigen. Das Bistum hat bestätigt, dass solche Kosten auf den Bischöflichen Stuhl zukommen.

6. Drohen dem Bischof juristische Konsequenzen?

Möglicherweise. Wegen der gestiegenen Kosten beim Bau der Bischofsresidenz sind gegen Tebartz-van Elst bei der Staatsanwaltschaft Limburg bis Montag zwölf Anzeigen wegen Untreue eingegangen. Die Ermittler wollen möglichst bis Freitag entscheiden, ob ein hinreichender Anfangsverdacht besteht und Ermittlungen aufgenommen werden.

Juristischer Ärger droht Tebartz-van Elst aber auch in Hamburg. Die dortige Staatsanwaltschaft hat beim Amtsgericht Strafbefehl beantragt. Sie wirft dem Bischof vor, in einem Rechtsstreit mit dem SPIEGEL in zwei Fällen falsche eidesstattliche Erklärungen abgegeben zu haben.

ulz