Liquidierung Bin Ladens: Apachen empören sich über Codename "Geronimo" - DER SPIEGEL
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Geronimo: Apachenführer und Volksheld

Foto: AFP/ National Archives

Liquidierung Bin Ladens Apachen empören sich über Codename "Geronimo"

Der Apachenführer Geronimo war Volksheld, Osama Bin Laden Terrorist. Über den Codenamen der Operation zur Liquidierung des Qaida-Chefs ist unter Indianern ein Sturm der Entrüstung losgebrochen: Die Gleichsetzung eines Massenmörders mit dem Häuptling sei "schmerzlich und beleidigend".
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Hamburg - "Geronimo EKIA" meldete das Einsatzkommando nach dem Tod von Osama Bin Laden ans Weiße Haus: EKIA steht für Enemy Killed In Action, Feind im Kampf getötet. Der Codename für Bin Laden war Geronimo - und darüber ist jetzt in den USA eine hitzige Debatte entbrannt.

Zahlreiche Indianer zeigten sich empört: "Einen Indianerkrieger mit Bin Laden in Verbindung zu bringen, ist keine treffende Wiedergabe der Geschichte und reduziert die Bedeutung der Ureinwohner in unserer Armee", erklärte der Präsident des Nationalkongresses der Indianer (NCAI), Jefferson Keel, am Mittwoch.

Apachenführer Jeff Houser forderte auf der Website fortsillapache-nsn.gov in einem offenen Brief an US-Präsident Barack Obama eine Entschuldigung für das unsensible Vorgehen der Sicherheitskräfte. Im Namen des Fort-Sill-Stamms führte er an, man sei wie der Rest des Landes "verzückt" gewesen über den Tod des Terrorchefs.

Die Apachen seien stolz darauf, Amerikaner zu sein, doch zu erfahren, dass ausgerechnet der Name ihres berühmten Stammesführers Geronimo als Codename für Bin Laden genutzt worden sei, habe für Irritationen gesorgt. "Die Gleichsetzung Geronimos mit Osama Bin Laden, einem Massenmörder und feigen Terroristen, ist schmerzlich und beleidigend für unseren Stamm und alle Ureinwohner", schreibt Houser.

Man sei sich sicher, dass die Nutzung des Namens auf einer fehlgeleiteten historischen Sicht auf Geronimo beruhe, der tapfer gegen die Vereinigten Staaten und Mexiko gekämpft hatte, um sein Volk zu schützen. Anders als Bin Laden sei Geronimo seinem Feind in zahlreichen Schlachten offen entgegengetreten, so Houser.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, man habe nicht respektlos sein wollen. Codenamen würden aufs Geratewohl ausgewählt, dahinter stehe kein Kalkül.

"Das Rassistischste, was uns je passiert ist"

Geronimo lebte von 1829 bis 1909. Der Häuptling gilt als legendärer Führer der Apachen, der auf dem Gebiet des heutigen US-Bundestaates New Mexico gegen die Besiedlung durch Einwanderer auf dem Land seines Volkes kämpfte.

Der Legende nach war er als Kind ständig müde, woraufhin ihn sein Vater Goklahyeh nannte - einen, der gähnt. Die Siedler gaben dem jungen Mann später den Namen Geronimo, unter dem er Geschichte machte. Skalpjäger sollen seine Eltern getötet haben, seine Frau und die Kinder wurden von mexikanischen Soldaten umgebracht.

Zum Schluss blieben ihm nur ein paar Dutzend Krieger, 1886 musste er sich der militärischen Übermacht der Gegner beugen. Jahrelang saß er im Gefängnis, am Ende im Reservat. Er wurde begraben auf dem Fort-Sill-Friedhof auf der Militärbasis von Lawton im Bundesstaat Oklahoma. Der Mythos der Tapferkeit des großen Häuptlings blieb ungebrochen: Noch heute rufen Fallschirmjäger laut "Geronimo", bevor sie sich in die Tiefe stürzen.

Die Kritik an der nachlässigen Verwendung seines Namens reißt nun nicht ab. Auf der Website nativetimes.com schrieb der Indianer und ehemalige US-Soldat Lloyd Goings, die Verwendung des Namens Geronimo für Bin Laden sei "das Rassistischste, was uns je passiert ist".

Die "missbräuchliche Verwendung von Ikonen der indianischen Kultur" sei bereits allzu verbreitet, wetterte auch Loretta Tuell, Beraterin des Komitees für Indianer-Angelegenheiten im Senat. Dies habe verheerende Folgen für die Kinder, sagte Tuell und kündigte an, eine Anhörung im Senat beantragen zu wollen.

ala/dapd/AP/AFP