Minutenprotokoll der Generalaudienz Gläubige jubeln Papst zu
Benedikt XVI. bei seiner Generalaudienz in Rom
Foto: FILIPPO MONTEFORTE/ AFPTausende Besucher drängten sich am Mittwoch bei der Generalaudienz des Papstes in der Aula Paolo VI. im Vatikan. Sprechchöre und Gesänge erklangen, immer wieder brandete Applaus auf. Aus der ganzen Welt waren Journalisten nach Rom bekommen, um einen der letzten großen Auftritte des Papstes vor seinem Rücktritt zu begleiten.
Gegen 10.40 Uhr betrat Benedikt XVI. die Bühne, präsentierte sich konzentriert und bei offensichtlich guter Gesundheit. Er nahm die Ovationen mit bescheidenem Lächeln entgegen und dankte den Gläubigen für ihre Liebe und Unterstützung, die ihm in den vergangenen, schweren Tagen sehr geholfen habe.
+++ Benedikt steht zu konservativen Positionen +++
[11.40 Uhr] In seiner Ansprache kam Benedikt XVI. auf die Probleme der Gegenwart zu sprechen - und betonte seine Standhaftigkeit auch bei unpopulären Positionen. "Es ist nicht leicht, sich öffentlich von Entscheidungen zu distanzieren, die viele als normal betrachten, wie die Abtreibung im Falle einer ungewollten Schwangerschaft, die Sterbehilfe bei schweren Krankheiten oder die Auswahl von Embryonen, um Erbkrankheiten zu vermeiden."
+++ Benedikt XVI. grüßt die deutschen Katholiken +++
[11.15 Uhr] Der Papst beklagte die Probleme einer religionsfernen Gegenwart. "In unserer Zeit steht so vieles den Werten des Glaubens entgegen", mahnte Benedikt XVI. "Von Herzen grüße ich alle deutschsprachigen Besucher. Lassen wir Gott Zeit, geben wir ihm unsere Zeit in täglichen Gebeten."
+++ "Wir alle sind Kreaturen Gottes" +++
[10.59 Uhr] Im Zusammenhang mit der Geschichte von der Versuchung Christi ruft der Papst die Gläubigen dazu auf, sich immer wieder zu fragen: "Welchen Platz hat Gott in meinem Leben?" Er fordert sie auf, Gott nicht nur für persönliche Interessen zu nutzen, ihn in eine Ecke zu verbannen oder gar als überflüssig zu betrachten. Der Mensch sei nicht alleiniger Herr über seine Existenz, "wir alle sind Kreaturen Gottes". Auf seine Rede folgt tosender Applaus, den der Papst mit einem schmalen Lächeln entgegen nimmt.
+++ Papst Benedikt XVI. dankt für die Zuneigung +++
[10.52 Uhr] "Danke für Eure Zuneigung", ruft der Papst und wiederholt, dass er in freier Entscheidung und im Wissen um die schwerwiegenden Folgen seine Entscheidung getroffen habe, das Amt niederzulegen. "Ich habe in diesen für mich nicht einfachen Tagen fast körperlich die Liebe gespürt, die ihr mir entgegenbringt", so der Pontifex. "Betet weiterhin für mich, für die Kirche und für den künftigen Papst", sagte das scheidende Kirchenoberhaupt.
+++ Papst Benedikt XVI. spricht zu den Gläubigen +++
[10.50 Uhr] Papst Benedikt XVI. spricht zu den etwa 3500 Gläubigen. Seine Stimme wirkt stark. Dennoch muss er unterbrechen - weil er den großen Applaus abwartet.
+++ Lesung aus dem Lukas-Evangelium +++
[10.48 Uhr] Zu Beginn der Generalaudienz in der Aula Paolo VI wurde in mehreren Sprachen aus dem Lukas-Evangelium gelesen. "Erfüllt vom Heiligen Geist verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist 40 Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die 40 Tage vorüber waren, hatte er Hunger."
+++ Erster Auftritt nach der Rücktrittserklärung +++
[10.40 Uhr] Papst Benedikt XVI. kommt zur Generalaudienz. Die wartenden Menschen begrüßen ihn mit überschwänglichem Jubel.
+++ ZdK-Präsident Glück sieht keinen klaren Favoriten für Nachfolge +++
[10.30 Uhr] Für den Vorsitzenden des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, gibt es derzeit keinen klaren Favoriten für die anstehende Papstwahl. Die Suche nach einem Nachfolger werde auch ein Ringen zwischen Erneuerung und Tradition. Er rechne mit einem längeren Findungsprozess, sagte Glück der "Passauer Neuen Presse". Die erste Frage werde sein, ob der nächste Papst wieder aus Europa kommen solle oder nicht. "Ein Nachfolger aus einer anderen Region der Weltkirche - aus Afrika oder Südamerika wäre eine historische Entscheidung." Die Herkunft allein werde aber nicht den Ausschlag geben, sagte der ZdK-Präsident. "Es wird darauf ankommen, welche inhaltliche Ausrichtung mit bestimmten Personen verbunden wird. Und das lenkt den Blick auf das innerkirchliche Ringen zwischen Erneuerung und Tradition."
+++ Verleger hofft auf steigenden Buchumsatz +++
[10.15 Uhr] Der Freiburger Papst-Verleger Manuel Herder rechnet nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. mit einem steigenden Absatz von Ratzinger-Büchern. Der Rückzug des Papstes ins Kloster werde für viele der Anlass sein, sich mit der Person Ratzinger, seinen Aussagen und seinem Wirken näher auseinanderzusetzen. "Nicht nur der Buchmarkt, vor allem der Leser wird profitieren", sagte Herder. Die Werke des 85-Jährigen blieben über den Tag hinaus lesenswert.
+++ Aschermittwoch-Liturgie in Petersdom verlegt +++
[10.10 Uhr] Wegen des zu erwartenden Ansturms von Gläubigen, Kardinälen, Bischöfen und Touristen wurde die Aschermittwoch-Liturgie eigens von der Kirche Santa Sabina auf dem Aventin-Hügel in den wesentlich größeren Petersdom verlegt. Auch zu der vorherigen Audienz wird ein großer Andrang erwartet.