Lockerbie-Attentat Libyen will Milliarden-Entschädigung zahlen
Washington - Die ausgehandelte Vereinbarung wurde nach Angaben des amerikanischen Fernsehsenders CNN an die Familien der 270 Opfer gesandt, die im Dezember 1988 bei dem Terroranschlag auf ein Flugzeug über dem schottischen Lockerbie ums Leben kamen. Die Angehörigen müssten nun entscheiden, ob sie den Vorschlag akzeptieren oder nicht.
Das Abkommen sieht laut CNN vor, dass Libyen die 2,7 Milliarden Dollar zunächst auf ein Treuhänderkonto überweist, von wo aus sie Schritt für Schritt innerhalb eines Jahres an die Opfer ausgezahlt werden könnten.
Die erste Rate von 4 Millionen Dollar pro Opfer könnte fließen, wenn die Uno ihre bestehenden Sanktionen gegen Libyen aufheben würde. Dazu müsste der nordafrikanische Staat jedoch zunächst die Verantwortung für das Lockerbie-Attentat übernehmen und den Terrorismus offiziell verurteilen. Außerdem verlangt das Abkommen von Libyen eine bessere Kooperation bei weiteren Untersuchungen des Anschlages.
Als nächster Schritt, so die Vereinbarung, müssten die USA ihre unilateralen Sanktionen gegen Libyen aufheben. Wenn das geschieht, sollen weitere 4 Millionen Dollar pro Opfer fließen. Die restlichen 2 Millionen würden nach Streichung des Landes von der amerikanischen Liste der terrorfinanzierenden Staaten überwiesen.
Die US-Regierung steht dem Kompromiss skeptisch gegenüber. Ein Mitarbeiter des Außenministeriums teilte gegenüber CNN mit, die Bush-Administration hege Zweifel, ob Libyen die festgeschriebenen Auflagen tatsächlich erfüllen und die Verantwortung für den Terroranschlag übernehmen werde. "Wir stehen dieser Sache äußerst misstrauisch gegenüber, weil Libyen schon so oft versprochen hat, die magischen Worte zu sagen", so der Mitarbeiter.
Bereits im Mai war ein ähnliches Abkommen gescheitert, weil die libysche Seite nach Bekanntgabe der Vereinbarung dementierte, offizielle Entschädigungsangebote gemacht zu haben.