Löwitsch-Prozess: Seelenstrip vor Gericht - DER SPIEGEL
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Löwitsch-Prozess Seelenstrip vor Gericht

Er gilt als Macho und Raubein. Schauspieler Klaus Löwitsch muss sich in Berlin wegen sexueller Nötigung vor Gericht verantworten. Der erste Prozesstag brachte viel Privates aus dem Leben des Schauspielers und des angeblichen Opfers an den Tag - mehr als beiden lieb sein kann.
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Berlin - Klaus Löwitsch hatte sich gut vorbereitet. Mit einem brachialen, breitschultrigen Bodyguard erschien der Schauspieler am Mittwoch im Seitenflügel des Berliner Kriminalgerichts. Seine Worte waren hingegen wenig gewählt. "Mit euch rede ich kein Wort mehr, nach der Scheiße, die ihr gemacht habt", blaffte er Journalisten und Kameraleute an, ließ sich vom Bodyguard eine Gasse schlagen und verschwand in Saal B 129.

Löwitsch muss sich wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung vor dem Gericht verantworten. Laut Anklageschrift der Berliner Staatsanwaltschaft soll der damals 63-Jährige am 25. Februar vergangenen Jahres die heute 38-jährige Claudia W. - Witwe des bekannten DDR-Mimen Arno Wyzniewski - in der Schauspielerkneipe "Emil" unweit des renommierten Deutschen Theaters im Stadtteil Mitte verbal belästigt haben.

"Ihr Ossi-Bräute wollt das doch!"

Danach soll der stark angetrunkene TV-Detektiv die Frau auf der Straße von hinten angegriffen und in den Schritt gefasst haben. Die Polizei stellte zwei Tage später mehrere Prellungen fest, als Claudia W. den Fall anzeigte. Seinen Angriff soll der Schauspieler noch mit markigen Worten begründet haben: "Ihr Ossi-Bräute wollt das doch so!".

Ein presseträchtiger Prozess. Schon seit Bekanntwerden der Anzeige erschienen Dutzende Geschichten vor allem in den Boulevard-Blättern. Seinen Höhepunkt erreichte der Rummel, als Löwitsch vor wenigen Tagen ankündigte, im Fall einer Verurteilung auszuwandern.

Löwitsch will nicht so sein wie in seinen Rollen

Für den Prozess hatte der erfahrene Anwalt Manfred Studier seinen Mandanten gut eingestellt. Im grauen Zweireiher plus passender schwarz-gelb gestreifter Krawatte erschien Löwitsch vor der Richterin. "Sie dürfen mich nicht mit den Kunstfiguren verwechseln, die ich spiele", sagte er und spielte damit auf seine Rolle als raubeiniger Detektiv in der Serie "Peter Strohm" an. "Ich bin klein, alt und hässlich", versuchte er dann seine Realität als Mensch zu beschreiben.

Doch die lockere Plauderei über die Schauspielerei wurde schnell sehr viel persönlicher, als er sich vielleicht gewünscht hatte. Löwitsch gestand auf Nachfrage ein, dass er Probleme mit dem Alkohol habe. "Wenn ich einmal anfange, kann ich nicht mehr aufhören", sagte er und fügte hinzu, dass er in den siebziger Jahren alkoholabhängig war. "Ich benutze Alkohol zum Runterkommen von meinem Beruf, zum Soft Landing", formulierte es Löwitsch.

"Als Frau völlig uninteressant"

Zum Fall selbst jedoch kam am Mittwoch wenig Neues von dem Mimen. Löwitsch bestritt die Vorwürfe. Er sei zwar an dem Abend im "Emil" gewesen. Nach einer vorausgegangenen Weinprobe und reichlich Grappa und Weißwein in der Kneipe könne er sich jedoch nicht mehr genau erinnern. "Ich habe die Frau in der Kneipe gesehen und habe auch kurz mit ihr geredet", sagte der Schauspieler, der immer wieder betonte, dass der Prozess eine Kampagne gegen seine Person sei. Er sei an dem Abend so betrunken gewesen, dass er von seinem "Blackout" erst am nächsten Morgen wieder erwacht sei. Außerdem, fügte er an, dass ihn Claudia W. "als Frau" überhaupt nicht interessiert habe.

Und auch ein Gerücht bestätigte Löwitsch. Demnach hat er einen Tag nach dem Vorfall, an den er sich nicht erinnern kann, "einfach mal so" im "Emil" nachgefragt, was denn am Vorabend passiert sei. "Die Bardame gab mir daraufhin einen Zettel mit einer Telefonnummer und dem Namen Claudia", sagte er. Danach, so Löwitsch, habe er bei der Frau angerufen und sich entschuldigt und ihr ein Schmerzensgeld von 2000 Mark versprochen.

Anwalt wurde im Voraus beauftragt

Warum er trotz des angeblichen "Blackouts" ein so schlechtes Gewissen hatte, dass er neben der Sofortentschädigung sogar einem befreundeten Anwalt bereits ein Mandat für zukünftige Anzeigen gegen ihn erteilte, konnte er jedoch nicht schlüssig erklären. "Ich dachte, ich muss mich für mein dummes Gesülze doch entschuldigen", war sein einziger Kommentar.

Dann wieder minutenlange Ausführungen zu sich und seinem Leben. Löwitsch gestikulierte, spielte mit seiner Stimme, als ob er auf der Bühne steht. Seinem Anwalt Manfred Studier brach bei der vielen Schauspielerei oft der Schweiß auf der Stirn aus. Denn in Anspielungen kritisierte Löwitsch die weiblichen Ermittlerinnen bei Polizei und Justiz, die einen Komplott gegen ihn planten, oder unkte, dass die ehemalige Justizsprecherin Michaela Blume absichtlich viele Informationen an die Presse gegeben habe.

Am Ende versuchte sich Löwitsch sogar noch in psychologischen Selbsteinschätzungen. "So etwas passt einfach nicht zu mir, fragen Sie doch mal meine Kolleginnen", blaffte er die Richterin an.

Claudia W. hat ebenfalls nur dünne Erinnerungen

Nach dem Schauspieler lud die Richterin dann Claudia W. in den Zeugenstand. Die 38-Jährige gab leise stammelnd ihre Erinnerungen an die Nacht wieder. Schon in der Kneipe habe Löwitsch versucht, ihr in die Bluse zu fassen. Später habe er sie von hinten angegriffen und angefasst. Die Frau wirkte verstört und antwortete meist nur mit Ja oder Nein auf die Fragen der Richterin.

Überzeugen konnte auch sie nicht. Zu widersprüchlich war ihre Aussage im Gegensatz zu den Polizeiprotokollen, die der gegnerische Anwalt hervorzog und zitierte. Ob sie Löwitsch von hinten angegriffen habe, wann er was gesagt habe und wie er sie geschlagen habe - auf alle Fragen hatte Claudia W. keine klaren Antworten. Für den Anwalt Studier ein gefundenes Fressen, um sie weiter zu verunsichern und als unglaubwürdig darzustellen.

Die Taktik des Anwalts

"Wir glauben, dass sich die Frau das alles ausgedacht hat", sagte er nach dem ersten Prozesstag. Deshalb auch kramten Studier und seine Recherchemannschaft tief in der Vergangenheit von Claudia W. und fanden sehr intime Details. Bereits mit 18 Jahren war sie demnach von dem damaligen Chef des Berliner Kabarett-Theaters "Distel" und seiner Frau vergewaltigt worden.

Anzeige auf Grund einer Erfahrung in der Vergangenheit

Dieses Delikt ist nie angezeigt worden, doch Claudia W. bekam nach der Vergewaltigung ein Kind. Studier glaubt, dass sie wegen dieser Erfahrungen die Anzeige gegen Löwitsch gestellt hat. Erst nach dem Abend im "Emil" sei "alles wieder hochgekommen", sagte sie in der Vernehmung der Polizei.

Die Richterin ist am Mittwoch noch nicht weit vorangekommen. Es gibt es keine Zeugen außer Löwitsch und Claudia W., von denen sich einer gar nicht mehr erinnern mag, die andere nur wenig. Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.