London: Königliche Hochzeit bedroht Friedenscamp - DER SPIEGEL
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Friedensaktivisten in London: Zelten vor dem Parlament

Foto: Dan Kitwood/ Getty Images

London Königliche Hochzeit bedroht Friedenscamp

London putzt sich für die Trauung von Prinz William und Kate Middleton heraus. Doch ein Zeltlager von Friedensaktivisten direkt neben der Hochzeitskirche stört das königliche Idyll. Die Kriegsgegner wollen nicht weichen. Nun müssen die Gerichte entscheiden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Ein Zeltlager ist mitten auf dem Bürgersteig errichtet worden. Protestschilder prangern Menschenrechtsverletzungen in Iran an und fordern ein Ende des Krieges in Afghanistan. Dazwischen sind auf Plakate gemalte Blutspritzer und drastische Fotos zu sehen.

Londons

Seit Jahren campieren Friedensaktivisten und Kriegsgegner im Zentrum am Parliament Square, gegenüber vom englischen Unterhaus. Nach dem Willen der Stadt soll der Dauerprotest bald vorbei sein.

Prinz William und Kate Middleton am 29. April

Denn gleich nebenan ist Westminster Abbey. Und dort heiraten . Der Weg der Braut vor der Trauung führt in einer Limousine am Parliament Square vorbei. Und nach dem Jawort passiert das Paar auf seiner Kutschfahrt den Platz erneut.

Die Bezirksverwaltung von Westminster, unter deren Kontrolle der Gehweg steht, hat die Demonstranten nach eigenen Angaben vor Monaten aufgefordert, den Bürgersteig zu räumen - erfolglos. Nun soll der High Court entscheiden. "Der Grund ist, dass sie den Gehweg versperren", sagt ein Sprecher. Und fügt hinzu: "Natürlich wäre es wünschenswert, dass sie die Fläche bis zur Hochzeit verlassen, denn die Bilder werden in der ganzen Welt zu sehen sein." Eine Entscheidung sei vielleicht in diesem oder im kommenden Monat zu erwarten.

"Sie nutzen die Hochzeit, um uns dauerhaft loszuwerden"

Derzeit stehen rund zehn Zelte auf dem Bürgersteig. In einem von ihnen lebt Maria Gallastegui. "Stoppt den Krieg in Afghanistan", "Ehrt unsere Truppen - bringt sie nach Hause", fordert die Dauerdemonstrantin auf den Wänden zweier selbstgebauter Holzhütten, die neben den Zelten stehen. Gallastegui lebt bereits seit 2006 in dem Protestlager. "Das hier ist mein Wohnsitz", sagt sie. "Sie nutzen die Hochzeit, um uns dauerhaft loszuwerden. Wenn man das hier aber einmal aufgibt, dauert es Jahrzehnte, bis man wiederkommen kann."

Gallastegui hat nichts gegen die königliche Hochzeit. "Wir wünschen William und Kate eine sehr glückliche, lange Ehe. Man habe auch nichts dagegen, an diesem Tag die Plakate abzudecken. "Aber wir wollen hier nicht weg. Wir wollen unseren Protest nicht aufgeben."

Noch ein Stück näher an der Westminster Abbey hat ein anderer Demonstrant sein Zelt aufgebaut. Er ist seit siebeneinhalb Monaten hier und möchte anonym bleiben. Ein Aussetzen der Kampagne am Hochzeitstag hält er für unnötig: "Es geht hier doch um Frieden, Liebe, Freiheit, Verantwortung", sagt er. "Sie sagen, wir sollen hier weg, aber wohin sollen wir dann gehen? Das ist der einzige Ort, wo wir unsere Botschaften zum Ausdruck bringen können."

Bürgermeister Johnson will hübsche Grünfläche

Mit dem Streit um die Protestler vom Parliament Square hatte sich der High Court bereits im vergangenen Sommer befasst. Am 1. Mai hatte eine Gruppe von Aktivisten die große Rasenfläche, die an den nun belagerten Bürgersteig angrenzt, in Beschlag genommen. Für diese Fläche ist nicht der Bezirk Westminster, sondern der Bürgermeister von London, Boris Johnson, mit der ihm unterstellten Behörde Greater London Authority (GLA) zuständig.

Die GLA hatte grobe Schäden auf der Grünfläche und Gesundheitsgefahren durch hygienische Probleme moniert. "Wir erlauben Proteste auf diesem Platz, aber kein permanentes Campieren", sagte eine Sprecherin. Der High Court und ein Berufungsgericht gaben der GLA Recht. Nach dem Urteil wurden im Sommer Zäune um den Rasen errichtet, damit dieser sich wieder erholen kann.

Johnsons Wunsch sei es, dass die Grünfläche so schnell wie möglich in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt wird, sagte die Sprecherin - ohne campende Demonstranten und Absperrungen, versteht sich. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Bürgermeister es gerne sähe, dass Zäune an einer schrecklichen Fläche stehen, wenn Kameras aus aller Welt auf London gerichtet sind", so die Sprecherin mit Blick die Hochzeit des Jahres.

ulz/dpad