London: Luftpiraten lassen alle Geiseln frei - DER SPIEGEL
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London Luftpiraten lassen alle Geiseln frei

Das Geiseldrama auf dem Flughafen London-Stansted ist beendet. Nach mehr als drei Tagen haben die Entführer der afghanischen Maschine alle Geiseln freigelassen. Die Polizei nahm die Täter fest. Allerdings sind die Hintergründe der Entführung immer noch schleierhaft.
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London - Das Ende der Geiselnahme wurde von Polizeisprecher Joe Edwards bestätigt. Alle 151 Geiseln seien freigelassen worden - zunächst eine Gruppe von 85 Männern, Frauen und Kindern, dann die restlichen 65. Die Luftpiraten verließen als Letzte das Flugzeug und ergaben sich. "Wir müssen jetzt damit beginnen, die Identität der Geiseln und der Geiselnehmer festzustellen", sagte der Polizeisprecher.

Viele verließen das Flugzeug am frühen Donnerstagmorgen mit erhobenen Armen. Unmittelbar vor der dramatischen Entwicklung war kurz nach 2 Uhr Ortszeit beobachtet worden, wie zwei Luftpiraten die Maschine über die Hecktreppe verließen und auf dem Rollfeld Gespräche mit der Polizei führten. Nach Angaben von Edwards waren es die ersten direkten Gespräche mit den Entführern.

Am Montag hatten die Entführer fünf Geiseln freigelassen. In der Nacht zum Mittwoch flüchteten der Pilot und drei Besatzungsmitglieder aus einem Fenster des Cockpits. Ein Stewart wurde daraufhin wenige Stunden später von den Entführern aus der Maschine gestoßen.

Vor der Entwicklung am Donnerstagmorgen waren noch 151 Menschen an Bord der Maschine, darunter 21 Kinder. Die Polizei teilte mit, dass die Aussagen des Piloten und seiner drei Crew-Mitglieder wesentlich zur Klärung der Situation beigetragen hätten. Auch eine Expertin der Uno-Flüchtlingskommission wurde herangezogen. Die ganze Zeit über standen bewaffnete Sondereinheiten der britischen Polizei auf dem Flughafen bereit.

Die am Sonntag auf einem Inlandsflug in Afghanistan entführte dreistrahlige Boeing 727 war am Montagmorgen nach einem Irrflug über Usbekistan, Kasachstan und Moskau in Stansted gelandet. Dort wurde das Geiseldrama zur längsten Flugzeugentführung in der britischen Geschichte. Die fundamentalistisch-islamische Führung in Kabul hatte jegliche Verhandlungen mit den Entführern abgelehnt. Zunächst hatte es geheißen, die Luftpiraten verlangten die Freilassung eines prominenten Regimegegners. Später konzentrierten sich die Spekulationen zunehmend darauf, dass die Entführer um politisches Asyl in Großbritannien ersuchen wollten. Dazu haben sich die Behörden bisher nicht geäußert.