Londons Nobelviertel: "Monstrosität des schlechten Geschmacks"
Nachbarschaftsstreit in Londons Nobelviertel Luxushäuschen rot-weiß
Kensington. Kaum ein Londoner Stadtteil ist so beliebt wie Kensington. Ein viktorianisches Häuschen reiht sich ans andere, der Hyde Park ist direkt um die Ecke, hübsche Cafés, altehrwürdige Museen, und ab und an lässt sich Prinz Harry in Lokalitäten wie Bodo's Schloss blicken. Aber dort wohnen? Das ist kaum bezahlbar.
Selbst kleine Reihenhäuschen kosten dort schnell Millionen. Wer also in eines investiert, baut gerne aus - und zwar nach unten. In der britischen Hauptstadt gibt es mittlerweile vermehrt Eisberghäuser, also Häuser deren Spitze man sieht, die aber im Keller noch ungeahnte Ausmaße in Form von Kinosälen und Indoor-Pools annehmen.
Diese neuen Unterbau-Gepflogenheiten gefallen nicht allen. Seit Ende 2014 dürfen Hausbesitzer in Kensington und dem benachbarten Chelsea nur noch maximal eine Etage tief in den Untergrund bauen. Selbst das ist einigen zu viel. In einer besonders schicken Ecke Kensingtons kam es nun zu einem Streit zwischen den Anwohnern - den die auf Eleganz bedachten Widersacher bitter bezahlen mussten.
Weil sie ihr offenbar die umfangreichen Umbauarbeiten an ihrer Immobilie untersagten, ließ eine Hausbesitzerin ihre Fassade streichen. Auf der weißen Hausfront prangen nun dicke, grellrote Streifen. Wohl mit dem gewünschten Effekt.
"Es ist äußerst, äußerst knallig", sagte Saskia Moyle, die genau gegenüber wohnt, dem "Guardian". "Ich will ja nicht eingebildet klingen, aber das ist überhaupt nicht der Stil von Kensington", befand die 18-Jährige und fügte hinzu: "Das ist eine Monstrosität des schlechten Geschmacks!" Eine weitere Nachbarin brachte die Posse prägnant auf den Punkt: "Es ist absolut entsetzlich."
Die Anwohner sind überzeugt, dass es sich bei der Umgestaltung des mehrere Millionen Pfund teuren Hauses um nichts anderes als einen Racheakt handelt. Sie hatten befürchtet, die Handwerksarbeiten würden mit einer monate- wenn nicht jahrelangen Belästigung durch Lärm, Staub und fehlende Parkplätze einhergehen.
Ein offizielles Statement der Besitzerin gibt es nicht. Dass sie sich an den Streifen stört, ist weniger wahrscheinlich. Sie lebt in der Schweiz.