Londoner Modewoche: Der Trend geht zur Stange - DER SPIEGEL
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Londoner Modewoche Der Trend geht zur Stange

Neben Stardesignern aller Couleur präsentierte sich diesmal bei der Modewoche in London erstmals auch ein Hersteller von Mode für die Frau auf der Straße. Die Kollektion "Unique" der britischen Bekleidungskette Top Shop löste regelrechte Begeisterungsstürme aus.
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London - In einer vielbeachteten Premiere wurde die Kollektion für die Stange dem Publikum aus Einkäufern, Journalisten und Modeexperten vorgeführt, die die günstigen Kleider lautstark bejubelten. Zwischen 65 und 370 Euro kosten die Modelle für den Frühling und Sommer 2006 - die Kreationen des bei Givenchy durchgefallen britischen Stardesigners Julien MacDonald beispielsweise gehen dagegen für bis zu über 20.000 Euro über den Tisch. Zuvor hatten die Erfolgsmarken Farhi und Ghost ihre Entwürfe für das kommende Jahr präsentiert.


"Mode hat doch etwas mit Spielerei zu tun", sagte Sophia Neophitou, künstlerische Leiterin für "Unique", nach der Modenschau. Doch Mode sei für die meisten Menschen zu teuer, um sich solche Spiele zu leisten. "Wir wollen, dass jeder mitspielen kann", so die Designerin. Und das Konzept zieht: Nicht nur in den Dutzenden "Top Shop"-Filialen Großbritanniens wird die günstige Designermode verkauft, auch mit einem Vertriebsagenten in New York hat die Firma bereits einen Vertrag abgeschlossen. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht: Eine von Karl Lagerfeld für das Billigmodehaus H&M entworfene Kollektion war im vergangenen November europaweit innerhalb weniger Stunden ausverkauft.

Schlichtheit scheint für das kommende Frühjahr angesagt zu sein. Gerade Schnitte und gedeckte Unifarben dominieren die "Unique"-Mode, hin und wieder tauchen ein Kimono-Kleid oder superknappe Hotpants auf. Die bis Donnerstag dauernde Londoner Fashion Week gilt als etwas schwächlicher Abklatsch der hochkarätigen Shows in Mailand oder Paris. Die neue Kombination von Masse und Klasse soll der Modewoche laut Organisator John Wilson einen besonderen Stempel aufdrücken. Doch ganz bedeutungslos ist London nicht: Designer wie Alexander McQueen, John Galliano und Stella McCartney verdienten sich hier die Sporen für ihre anschließenden Weltkarrieren.

Zum Auftakt der Modewoche ging es nicht nur um die Frühlings- und Sommerkollektionen für nächstes Jahr, sondern auch um die angesagtesten Partytermine und Proteste von Tierschützern. Bei der Schau von Glamour-Designer Julien MacDonald gelang es gestern zwei Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta (People for the Ethical Treatment of Animals), den Laufsteg zu stürmen und Schilder mit "Pelz tötet" und "Pelz ist tot" in die Kameras zu halten, bevor die Sicherheitskräfte zur Stelle waren. Eine dritte Tierschützerin drängte sich mit einem Schild auf den Laufsteg, das den Designer als "Pelz-Abschaum" bezeichnete, gerade als er sich zum krönenden Abschluss mit seinen Models den Kameras präsentierte.

Dabei war auf dem Laufsteg diesmal nichts von dem umstrittenen Material zu sehen - schließlich ging es um Mode für die warme Jahreszeit. Der gebürtige Waliser präsentierte aus vielen Elementen zusammengesetzte Entwürfe: grafische Prints kamen ebenso vor wie afrikanische Motive, Karomuster bildeten einen starken Kontrast zu den Perserteppichen, die den Laufsteg schmückten. MacDonald hatte Pelz aber bei der Modewoche im Februar für seine aktuelle Herbst - und Winterkollektion verwendet.

Auf den Laufstegen sind für den Rest der Woche viele Newcomer und noch ganz unbekannte Gesichter zu erwarten - London hat den Ruf, Talente zu entdecken, aber nicht halten zu können. In Kontrast dazu steht die Partyszene: Hier tummeln sich in dieser Saison unter anderem namhafte Vertreter renommierter Traditionshäuser wie Dior, Burberry, Schuhdesigner Patrick Cox, der sein 20-jähriges Bestehen feiert, und Alexander McQueen, der gestern seine neue Schuhlinie präsentierte - das Ergebnis einer Kooperation mit dem Sportartikelhersteller Puma.