Loreley: Tankschiff mit Säure kentert auf dem Rhein - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Schiffsunfall: Havarie in Rheinland-Pfalz

Foto: Thomas Frey/ dpa

Loreley Tankschiff mit Säure kentert auf dem Rhein

Ein mit Schwefelsäure beladenes Tankschiff ist auf dem Rhein verunglückt: Der 100 Meter lange Frachter liegt seit dem frühen Morgen nahe des Loreleyfelsens auf der Seite. Bislang konnte die Polizei zwei der vier Besatzungsmitglieder retten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mainz - Auf dem Rhein hat es einen schweren Schiffsunfall gegeben: Bei St. Goarshausen nahe der Loreley ist ein Tankschiff gekentert. Der Frachter hat rund 2400 Tonnen Schwefelsäure geladen. Das 100 Meter lange Schiff treibe seit dem frühen Donnerstagmorgen auf dem Fluss, sagte ein Sprecher der rheinland-pfälzischen Wasserschutzpolizei.

Die Ursache der Havarie war zunächst unklar. "Wir können uns das nicht erklären, wie das Tankmotorschiff kentern konnte. Bei dem Wasserstand weiß ich nicht, wie es irgendwo drauflaufen konnte", sagte der Sprecher. Der Rhein führt derzeit viel Wasser. Am Unfallort habe es auch keine Gefahrenstelle gegeben, so der Polizeisprecher. "Das Schiff war zunächst ganz normal auf dem Radar zu sehen und dann plötzlich verschwunden."

Zwei von vier Besatzungsmitgliedern seien gerettet worden, nach den übrigen beiden werde "fieberhaft" gesucht, so der Sprecher. Dazu sei auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera im Einsatz. Sorge dürfte den Helfern die Wassertemperatur im Rhein bereiten: Bei einer Lufttemperatur von etwa zwölf Grad ist das Wasser nach Angaben des Bingener Wasser- und Schifffahrtszentrums lediglich 4,1 Grad kalt. Bei diesen Temperaturen kann ein Mensch nicht lange überleben.

"Die Suche ist bisher ergebnislos und geht intensiv weiter", sagte der Sprecher der Wasserschutzpolizei. Ihm zufolge gab es weiter keine Hinweise, dass nach dem Unglück vom frühen Morgen Säure aus dem Havaristen ausgelaufen ist. Schwefelsäure kann in Verbindung mit Wasser ein ätzendes Gemisch werden. Vermutlich ist nach der Havarie eine kleine Menge Schwefelsäure ausgelaufen. In der Nähe des Schiffes sei im Wasser eine leichte Absenkung des ph-Wertes gemessen worden, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Mainz. Dieser Wert habe nach jetzigen Erkenntnissen jedoch vermutlich nichts mit einem möglichen Auslaufen der gefährlichen Chemikalie zu tun.

Ein Sprecher der Polizei in Koblenz hatte zuvor gesagt, nach dem vorläufigen Stand der Erkenntnisse gebe es "keine offensichtlichen Schäden" an den Säuretanks der "Waldhof". Der havarierte Tanker einer deutschen Reederei sei auf dem Weg von Ludwigshafen ins belgische Antwerpen gewesen, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt Bingen mit.

Der Rhein wurde an der Unglücksstelle für den Schiffsverkehr gesperrt. Um ein Abtreiben des gekenterten Schiffes zu verhindern, wurde die "Waldhof" bis zum Mittag mit anderen Schiffen auf dem Rhein vertäut. Experten beraten dem Polizeisprecher zufolge an der Unglücksstelle darüber, wie das Tankmotorschiff geborgen werden kann.

wit/AFP/dpa