Love Parade "Die Luft ist raus"
Berlin - Nach Angaben der Polizei wurden sogar nur 500.000 Besucher auf dem Technospektakel gezählt, die Veranstalter sprachen dagegen von 750.000 Menschen, die unter dem Motto "Access Peace" (Zugang zum Frieden) rund um die Berliner Siegessäule tanzten. In den Vorjahren waren oftmals mehr als eine Million Raver zur Love Parade in den berliner Tiergarten geströmt.
Trotz des Besucherrückgangs tanzten zahlreiche Techno-Fans bis kurz vor Mitternacht ausgelassen rund um die Siegessäule. Dort hatte der Initiator der Loveparade, der Berliner DJ "Dr. Motte" am frühen Abend in einer kurzen Ansprache betont, dass die Loveparade nach wie vor, auch ohne den politischen Status einer Demonstration, "wahrscheinlich die größte Friedensdemonstration" weltweit sei.
Angesagtes Unwetter fiel aus
Größere Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht, auch keinen Gewittersturm, der noch am frühen Abend befürchtet worden war. Diese Sturmwarnung hatte die Planung für das große Finale des Technospektakels an der Siegessäule zeitweise durcheinander gebracht. Eine drohende Gewitterfront mit befürchteten starken Sturmböen hatte am frühen Abend die meisten der 45 Love-Trucks am Abend aus Sicherheitsgründen zunächst zum Rückzug an die Ausgangspunkte der Parade am Brandenburger Tor und am Ernst-Reuter-Platz gezwungen.
Der Wetterdienst hatte sogar empfohlen, die Parade eventuell früher zu beenden und die Polizei warnte die Raver bei Sturm vor dem Tiergarten, dem größten innerstädtischen Park Berlins. Es drohe Gefahr durch abgebrochene und tote Äste.
Auch schon vor der Gewitterwarnung hatten viele Teilnehmer ein deutliches Stimmungstief bei der Parade beklagt. "90 Prozent gucken und nur 10 Prozent tanzen", sagte ein 38-jähriger Berliner. Ein Polizeisprecher meinte: "Die Luft ist raus." Nur rund um die Trucks herrsche Stimmung. "Dahinter ist es wie beim Spazierengehen im Grunewald." Nur eben voller.
Mehrere Festnahmen
Auf den Trucks heizten DJs aus Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Holland und Dänemark der Menge ein. "Ihr seid so geil", rief Love-Parade-Gründer Dr. Motte der partywütigen Menge zu. Bereits in der Nacht feierten die Technofans ausgiebig in den Clubs und auf den Straßen der Stadt. Rund um die Gedächtniskirche ravten rund 3000 junge Leute. Bei rund 20 größeren Raves standen unter anderem Szenegrößen wie Westbam, Marusha, Hardy Hard, Paul van Dyk und Dr. Motte an den Plattenspielern.
Die Polizei nahm bis zum späten Abend Polizei 95 Teilnehmer vorübergehend fest, die meisten wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Malteser-Hilfsdienst musste bis zum frühen Abend 159 Mal erschöpften Ravern helfen. 13 davon kamen ins Krankenhaus.
Auch bei den Parties nach der eigentlichen Parade zeigte sich der Besucherrückgang mit einer deutliche Flaute. Viele der Veranstaltungsorte glichen eher leeren Wartehallen als Techno-Raves. Besonders ein Fest in der halb fertigen U-Bahnstation vor dem Reichstag geriet für den Veranstalter zum finanziellen Ruin und selbst Traditions-Parties wie der "Lovestern" im Berliner Wetsen blieben eher mäßig besucht auf vielen ihrer Karten sitzen. Besonders beliebt war indes eine besondere Party am Sonntag Nachmittag. Die Agentur "DJ-sets.com" hatte im Auftrag der Kondom-Firma "Durex" in das Berliner Edel-Etablissement "Bel Ami" geladen und viele, zum Teil prominente Gäste waren gekommen. Bei Champagner am Pool oder in den rot beleuchteten Zimmern im ersten Stock vergnügten sich die Gäste und ließen die Love Parade gemütlich ausklingen.
Kurz vor der Parade hatte die Polizei nach einer angeblichen Anschlagsdrohung Entwarnung gegeben. Ermittler hatten am Freitag Wohnungen und Geschäftsräume ergebnislos nach Sprengstoff und Waffen durchsucht, sieben Personen wurden festgenommen. Für die Love Parade bestehe keine konkrete terroristische Bedrohung, betonte die Polizei. Am Nachmittag demonstrierten 800 Teilnehmer bei der traditionellen Gegenveranstaltung, der Fuck Parade in Berlin-Mitte.