BIOGRAFIE LSD im Fruchtwasser
Erste Erfahrungen mit Rauschgift machte Silvana Klein, als sie »im Fruchtwasser der lieben Mama schwamm«. Die zweiten 15 Jahre später, als sie mit der Mutter ihren ersten LSD-Trip nahm. Silvana stammt aus einem Milieu, in dem es nichts Außergewöhnliches ist, wenn die Einrichtung aus dem Fenster fliegt, Kindern sexuell nachgestellt, die Mutter vom Lebensgefährten grün und blau geprügelt wird. Es scheint paradox, aber ausgerechnet ihre Karriere als Kriminelle weist ihr den Ausweg aus dieser Hölle: Beim Versuch, Jeansjacken zu stehlen, wird die 18-Jährige erwischt. Jetzt erst begreift sie, dass ihr ein Weiterleben nur ohne Drogen gelingen kann. Eine Therapie folgt, später die Aufarbeitung ihrer Jugend in Form eines lakonischen Erfahrungsberichts. Diese »Geschichte eines langen Entzugs« liest sich noch erschütternder als »Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo«, denn Klein hat auch die verzweifelten Tagebuchnotizen ihrer inzwischen an einer Überdosis gestorbenen Mutter in ihr Buch aufgenommen. Heute arbeitet die 31-jährige Klein als Rundfunkmoderatorin in Hannover. Für gefährdet hält sie sich schon deshalb nicht mehr, weil sie unter ihren Freunden »an jedem Finger einen Toten zählen« kann.
Silvana Klein: »Affenliebe. Die Geschichte eines langenEntzugs«. Kiepenheuer & Witsch, Köln; 256 Seiten; 8,90 Euro.