Luftfahrtunglück: 130 Menschen aus Flugzeug gefallen - DER SPIEGEL
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Luftfahrtunglück 130 Menschen aus Flugzeug gefallen

Über der Demokratischen Republik Kongo ist es zu einem tragischen Flugzeugunglück gekommen: Nach Militärangaben stürzten bis zu 130 Passagiere aus einem Jet, als sich plötzlich die Türen der Iljuschin 76 öffneten.
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Nairobi - Bei der Maschine sowjetischer Bauart hätten sich während des Fluges am Donnerstagabend plötzlich die Türen geöffnet, berichteten Militärs am Freitag in der Hauptstadt Kinshasa. Mehr als hundert Passagiere - sowohl Militärs als auch Zivilisten - seien aus dem Flugzeug gefallen. Bis zu 130 Menschen sollen an Bord gewesen sein.

Ursache sei ein Versagen des Drucksystems gewesen, erklärte am Freitag ein Militärvertreter in Kinshasa. "Alle wurden heraus gesogen und sind vermutlich tot." Da sich das Flugzeug den Angaben zufolge zu dem Zeitpunkt auf einer Höhe von 2200 Metern befand, zweifeln Luftfahrtexperten jedoch an dieser These. Die Passagiere seien vermutlich aus dem offenen Laderaum der russischen Frachtmaschine "herausgerutscht", sagte Cord Rossow vom Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig. "Der Druckunterschied spielt in dieser Höhe keine so große Rolle", so das Argument des Professors.

Womöglich habe der Pilot nach dem plötzlichen Verlust der Ladeluke versucht, die Lage der Iljuschin zu stabilisieren. Dabei könnte die Mannschaft im Cockpit die Nase der Maschine nach oben gezogen haben. Das Heck neigte sich damit nach unten. "Zusammen mit den Turbulenzen und der Panik kann das dazu geführt haben, dass die Menschen heraus gefallen sind", sagte Rossow. Exakt solche Manöver würden auch geflogen, wenn Militärs ihre Ladung aus solchen Maschinen aussetzten.

Anders als in einer regulären Passagiermaschine gebe es in Frachtmaschinen normalerweise keine fest geschraubten Sitzreihen. "Vielleicht gab es nur Bänke oder Stühle", sagte Rossow, womöglich seien die Passagiere auch nicht anderweitig gesichert gewesen.

Die BBC hatte berichtet, rund 45 Minuten nach dem Start sei die hintere Klappe aufgesprungen. Die Iljuschin 76 sei auf dem Weg von der Hauptstadt in die zweitgrößte Stadt des Landes, Lubumbashi, gewesen. Dort unterhält die Armee eine große Militärbasis.

Nach dem Unglück sei der Pilot umgekehrt. Lediglich die russischen Besatzungsmitglieder im Cockpit hätten überlebt. Den Angaben zufolge war die Maschine von der kongolesischen Armee für den Inlandsflug gechartert worden.

Der Friedensminister des Landes, Vital Kamerhe, bestätigte, dass sich während des Fluges eine Ladeluke geöffnet habe und es Schäden gebe.

Schon mehrfach kam es in der Luftfahrt zu Unglücken, bei denen Passagiere aus den Flugzeugen gezogen wurden:

Am 28. April 1988 war einer Boeing 737 der Aloha Airlines in 7300 Metern Höhe ein Drittel des Kabinendachs weggeflogen. Eine Stewardess wurde aus der Maschine gerissen und stürzte in den Tod. Die Passagiere kamen, gelähmt vor Schrecken, wie in einem fliegenden Cabriolet zur Erde zurück. Die Ursache der Beinahe-Katastrophe war damals rasch ermittelt worden: Der zweistrahlige Jet hatte mehr als 35.000 Flugstunden auf dem Buckel; haarfeine Risse hatten sich in der Außenhaut gebildet. Bei dem Flug über dem Pazifik war die in fast 20 Dienstjahren ermüdete Metallstruktur hinter der vorderen Einstiegstür geborsten.

16 Menschen stürzten im Februar 1989 auf einem Flug von Hawaii nach Neuseeland in den Tod, als in 7000 Metern Höhe ein drei mal zwölf Meter großes Loch aus der Bordwand einer United-Airlines-Maschine herausgefetzt wurde. Mit den Übriggebliebenen von seinen 336 Fluggästen brachte der Pilot den Jumbo-Jet zurück zum Flughafen von Honolulu.

Als Ursache galt damals, dass nach der Beladung der Maschine die Frachtluke unsachgemäß verschlossen worden war. Warnleuchten im Cockpit zeigen normalerweise an, wenn eine Frachttür aus Versehen offen bleibt; aber diese Warnung versagt mitunter, wenn die Luke zwar ungenau, aber so fest verrammelt wird, dass die entsprechenden Fühler nicht ansprechen.

Wenn sich beim Steigflug im Frachtraum der Überdruck gegenüber der umgebenden, mit zunehmender Höhe dünner werdenden Luft aufbaut, genügt es schon, wenn sich die Tür nur einen Spalt weit öffnet - mit Brachialgewalt wird sie dann vom Fahrtwind, einem Luftstrom von achtfacher Orkanstärke, erfasst. Solchen Kräften sind die Scharniere nicht gewachsen.

Ein vergleichbarer Fall, mit noch fataleren Folgen, ereignete sich am 3. März 1974 in der Nähe von Paris. Weil eine Frachttür ungenügend gesichert worden war, löste sich die Luke beim Steigflug in 4000 Metern Höhe vom Rumpf. Der darüberliegende Kabinenboden sackte durch und zerstörte Kontroll- und Steuerleitungen für Höhen- und Seitenruder. Die Maschine stürzte ab, 346 Menschen starben.