Luftverkehr in Indien: Chaos im Terminal, Kühe auf der Landebahn - DER SPIEGEL
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Luftverkehr in Indien Chaos im Terminal, Kühe auf der Landebahn

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Hamburg - Das Rückgrat des Inlandsverkehrs in Indien bildet die Eisenbahn. Rund elf Millionen Reisende benutzen in dem Land mit fast einer Milliarde Einwohner täglich den Zug. Die beiden größten Fluggesellschaften, die staatliche Indian Airlines und die private Jet Airways, befördern in einem Jahr knapp dieselbe Anzahl Passagiere, ebenfalls rund elf Millionen. Der Luftverkehr leidet besonders unter der veralteten, völlig überlasteten Infrastruktur der indischen Flughäfen und Luftraumüberwachung.

Die Terminals sind notorisch überfüllt, die Flughafenzäune oft löchrig, so dass es bereits wiederholt zu Kollisionen zwischen Flugzeugen und auf den Start- und Landebahnen lagernden Kühen gekommen ist. Vor allem in Neu-Delhi, dem zentralen Drehkreuz-Flughafen der Hauptstadt, gefährdet der oft binnen Minuten einfallende Nebel und Smog den Flugbetrieb. Ein Navigationssystem für automatische Landungen soll erst Ende dieses Jahres den Betrieb aufnehmen, bis dahin leidet der gesamte indische Luftverkehr unter den Folgen häufiger wetterbedingter Schließungen des Flughafens. Auch im nordindischen Patna, Ort des jüngsten Flugzeugabsturzes, herrschte zum Unfallzeitpunkt Dunst.

Die staatliche Inlandsgesellschaft Indian Airlines hat im Juni 1996 mit ihrer Boeing-737-Flotte die Tochtergesellschaft Alliance Air gegründet, die mit elf jeweils 119-sitzigen Jets des Typs 737-200 (Durchschnittsalter 20 Jahre) wöchentlich 357-mal 44 überwiegend nordindische Ziele anfliegt. Das in Patna abgestürzte Flugzeug, das älteste der Flotte, hatte in Diensten von Indian Airlines bereits im Januar 1986 einen Landeunfall, bei dem eine Tragfläche stark beschädigt wurde, es aber keine Opfer gab.

Traurige Berühmtheit erlangte Indian Airlines im Februar 1990, als ein mangelhaft ausgebildeter Pilot seinen brandneuen Airbus A320 vor der Landebahn von Bangalore auf einem Golfplatz aufsetzte und 94 Menschen starben. Inzwischen plant die indische Regierung die Privatisierung sowohl der internationalen Gesellschaft Air India als auch von Indian Airlines. Gemeinsam mit der schrittweisen Deregulierung des Marktes, der bereits die überaus erfolgreiche und nach westlichen Maßstäben operierende Jet Airways hervorgebracht hat, gibt das Anlass zur Hoffnung auf bessere Zeiten an Indiens Himmel.