RATGEBER Lustgrab Ehebett?
Es ist eines der letzten Rätsel, über das sich Beziehungsforscher noch immer den Kopf zerbrechen: Sex in der Ehe. Während die sexuellen Gewohnheiten der Teenager, der Singles, der Geschiedenen und Seitenspringer gründlich untersucht und ausgewertet worden sind, liegt das Paarungsverhalten der Verheirateten im Dunkel der ehelichen Schlafzimmer. Von jeher gilt der Satz von Luther: »In der Woche zwier, schadet weder ihm noch ihr.« Doch das scheint inzwischen nicht nur überholt, sondern auch übertrieben. In den USA sind in den letzten Monaten gleich acht Bücher erschienen, die sich mit dem Phänomen »sexlose Ehen« beschäftigen; die von Psychologen, Therapeuten und Eheberatern verfassten Werke heißen »The Sex-Starved Marriage«, »I'm Not in the Mood« oder »Okay, So I Don't Have a Headache«. Dass immer mehr Paare aus dem sexuellen Frust in die sexuelle Enthaltsamkeit flüchten, liegt - darin sind sich Experten einig - an den veränderten Lebensumständen. Früher gab es in den Ehen eine klare Arbeitsteilung; nun, da beide Partner arbeiten, sind sie »zu müde und zu belastet, um am Ende des Tages Sex zu haben«, sagt die New Yorker Sexual- und Ehetherapeutin Jane Green im Frauenmagazin »Redbook«. Die »Josephsehe«, früher eine religiös motivierte Ausnahme, könnte, so die Beraterin, bald zur Regel werden.