Luxemburg Kidnapper mit Trick überwältigt
Luxemburg - Der 39-Jährige Täter tunesischer Herkunft habe die Nacht gut überstanden, teilte das Zentralkrankenhaus mit. Er sei mehrere Stunden lang operiert worden, berichtete die Polizei.
Dem Täter sei ein Fernsehinterview versprochen worden, berichtete Luxemburgs Innenminister Michel Wolter. Beamte eines Spezialkommandos hätten sich dann als Journalisten und Kameraleute ausgegeben und den Mann mit zwei Kopfschüssen niedergestreckt. Alle 28 zuletzt noch festgehaltenen Kinder und Erzieherinnen seien wohlauf.
Die Waffe, mit der der Kidnapper überwältigt wurde, war möglicherweise in einer Kamera-Attrappe versteckt. Die befreiten Kinder wurden zu ihren Eltern in das nahe gelegene Kulturzentrum von Wasserbillig gebracht und dort von Polizeipsychologen betreut. Zuletzt hatte der schwer bewaffnete Mann 25 Jungen und Mädchen und drei Erzieherinnen in seiner Gewalt. Unter den Geiseln befand sich auch ein fünfjähriges Mädchen aus Deutschland.
Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker sagte, Ziel des Einsatzes kurz nach 19 Uhr sei gewesen, zu verhindern, dass der Geiselnehmer das von ihm geforderte Flugzeug oder ein Auto besteige. Er habe mit drei Geiseln fliehen wollen. Juncker zeigte sich "sehr glücklich" über das Ende des Geiseldramas. Besonders lobte er die drei Erzieherinnen, die außerordentliches Geschick bewiesen hätten. Der Regierungschef dankte auch den Nachbarländern für deren Hilfe und nannte hier insbesondere Deutschland. Die deutsche Polizei hatte Einsatzkräfte zur Verfügung gestellt.
Der Kidnapper war am Mittwochnachmittag in den Kindergarten in der Kleinstadt an der deutschen Grenze eingedrungen und hatte 37 Kinder als Geiseln genommen. Zwölf von ihnen ließ er nach und nach frei. Wie nach dem Einsatz mitgeteilt wurde, war der Täter mit einer Pistole, einem Messer und einem vermutlich mit brennbarer Flüssigkeit gefüllten Kanister bewaffnet.
Der Geiselnehmer kam aus dem Nachbarort Manternach und lebte getrennt von seiner Frau und den beiden Kindern, die die Tagesstätte früher besuchten. Die Polizei sagte, er sei geisteskrank; sein Psychiater habe an den Verhandlungen teilgenommen. Einwohner von Wasserburg berichteten, er habe die Tagesstätte dafür verantwortlich gemacht, dass ihm das Sorgerecht für seine Kinder entzogen worden sei. Der 39-Jährige hatte am Donnerstag verlangt, zum Flughafen nach Luxemburg gebracht zu werden. Ein Ultimatum ließ er jedoch verstreichen.