Madrid Junger Terrorhelfer zu sechs Jahren Haft verurteilt
Madrid - Der junge Spanier bekannte sich schuldig, beim Diebstahl und Transport des Sprengstoffes geholfen zu haben, aus dem schließlich die Sprengsätze hergestellt wurden. Das Gericht verurteilte den Jugendlichen in einer nur Minuten dauernden Verhandlung zu sechs Jahren Haft in einer Jugendstrafanstalt. Es war der erste Prozess im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen von Madrid.
Die Anklage hatte ursprünglich acht Jahre Haft gefordert, gefolgt von einer fünfjährigen Bewährungszeit. Die Staatsanwälte hatten dem Angeklagten aber zu Prozessbeginn eine Verringerung der Strafe um zwei Jahre angeboten. Der 16-Jährige nahm das Angebot an. Damit wurde die Verhandlung hinfällig, und der Richter konnte sein Urteil sprechen.
Nach Darstellung der Ermittler hat der Junge mit einer Bande zusammengearbeitet, die in Nordspanien mit Drogen und Sprengstoffen handelte. Das verkaufte Dynamit wurde auch für die Sprengsätze verwendet, die am 11. März dieses Jahres in vier spanischen Zügen explodierten. Dabei wurden fast 200 Menschen getötet.
Der Angeklagte soll den Ermittlern zufolge dafür bezahlt worden sein, in Oviedo einen Bus zu besteigen und dabei eine Sporttasche mit 15 bis 20 Kilogramm Dynamit transportiert zu haben, das zuvor aus einer Mine gestohlen worden sei. In Madrid habe der 16-Jährige die Tasche an den mutmaßlichen Käufer des Dynamits, den Marokkaner Jamal Ahmidan, weitergereicht. Behörden schätzen, dass bei den Anschlägen insgesamt 140 Kilogramm Sprengstoff verwendet wurden. Ahmidan, auch "der Chinese" genannt, war einer von sieben Tatverdächtigen, die sich im April in einem Apartment in die Luft sprengten, als die Polizei sie gerade festnehmen wollte.
Die Anklage gegen den Jugendlichen lautet auf Sprengstoffbesitz aus terroristischen Gründen. Der Junge hatte dagegen gesagt, er habe nicht gewusst, was sich in der mit einem Vorhängeschloss gesicherten Tasche befunden habe. Der Teenager, der Mitte Juni festgenommen worden war, wurde besonders schnell vor Gericht gebracht, da jugendliche Verdächtige nach spanischem Recht nur sechs Monate in Untersuchungshaft festgehalten werden dürfen. Im Zusammenhang mit den Anschlägen wurden bislang auch 16 Erwachsene festgenommen. Ihr Prozess steht noch aus.