Mailänder Modewoche: Kühle Farben und kalte Beine - DER SPIEGEL
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Mailänder Modewoche Kühle Farben und kalte Beine

Schwarz, Brauntöne und Grauschattierungen, dazu warme Akzente in Bordeauxrot und kühle Oberflächen in Metall-Optik: Die Frau kleidet sich im kommenden Winter dunkel. Bei den Mailänder Modeschauen sind aber auch kräftig leuchtende Farbtupfer zu sehen - und viel Haut.
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Mailand - Hot Pants, Miniröcke, knappe Kleider: Der kommende Winter sollte nicht allzu kalt werden, denn sonst könnte frau in den Designeroutfits von Armani, Gucci und Co. schnell frieren. Emporio Armani etwa berauschte sich bei der derzeit laufenden Mailänder Modewoche geradezu an den süßen kurzen Kleidchen.

Die junge Linie des Mailänder Stardesigners Giorgio Armani präsentierte sich konsequent feminin: Kaum eine Hose war auf dem Laufsteg zu sehen, dafür flache Ballerinas. Farblich dominierten bei ihm Ton-in-Ton-Optiken in einer Palette von Schwarz, Grau oder Sand. Doch hin und wieder waren ein paar zarte Bonbontöne hineingetupft, und am Abend funkeln rauschhaft die Kristalle. Bei der Aigner-Schau bestand die Farbpalette aus intensiven Brauntönen, Flieder und tiefem Rot. Und neben engen Hosen waren auch bei der in München ansässigen Marke ausgestellte Miniröcke zu sehen.

Einer der Höhepunkte der Mailänder Damenschauen war die Gucci-Show: Die Designerin des italienischen Traditionshauses, Frida Giannini, tritt mehr und mehr aus dem Schatten des großen Vorgängers Tom Ford. So schafft sie es, eine eigene Version der Gucci-Frau zu entwickeln.

Maskulin und doch feminin: Neues Bild der Frau

Überhaupt: die Emanzipation der Frau. Das Bild einer selbstsicheren Frau zeichnen die Designer für die Herbst/Winter-Saison 2007/2008. In viele Kollektionen der Milano Moda Donna flossen militärische Elemente und Maskulines ein. Der Wunsch nach Schutz und Panzerung, aber auch eine starke Nuance Aggressivität stecken oft hinter dem Ansinnen, die Frauen mit viel Stoff auszustaffieren.

Und wenn selbst der Meister der opulenten Drucke und vollen Farben - Roberto Cavalli - auf seine bekannten Elemente verzichtet, dann muss dahinter mehr stecken als nur eine schöpferische Laune. Er hinterließ bei seiner Schau eine klare Botschaft: mehr Stil, weniger Spektakel. Reiterhosen, Safarijacken und lange, wärmende Pelzwesten - das ist Cavallis neue Mode. Die Farben orientieren sich an der Natur, vor allem an der Wüste. Für den Gang über den roten Teppich bietet der bei Stars angesagte Designer glitzernde Roben aus silbernen und goldenen Pailletten. Hollywood-Star Sharon Stone saß bei Cavallis Modenschau in Mailand schon einmal zur Begutachtung in der ersten Reihe.

Mehr Prominente wurden - traditionsgemäß - am Catwalk von Giorgio Armani gesichtet: In dessen Theater hatten sich unter anderem Rock-Ikone Tina Turner, Fußballstar Andrej Schewtschenko und Italiens Filmliebling Ornella Muti eingefunden.

Traditionelle, grafische Musterungen wie Hahnentritte kennzeichnen hingegen bei der italienischen Marke Salvatore Ferragamo die kommende Herbst/Winter-Saison: mal klein kariert, mal wie mit der Lupe vergrößerte Karos - und das in verschiedenen Farbkombinationen.

D&G: Futuristisch sexy oder Sado-Maso-Fantasie?

Miuccia Prada legte ihren Fokus indes weniger auf Muster als vielmehr auf den Stoff und Farbe. Plüschige Alpaka-Wolle, die auf Pelzoptik getrimmt wurde, und laminierte oder strukturierte Oberflächen waren in ihrer Kollektion zu sehen; die Outfits waren sowohl in zarten Tönen als auch in kräftigen Nuancen von Orange oder Grün.

Ein spannendes Zusammenspiel aus technischen Materialien wie Neopren, Nylon oder Latex mit natürlichen Stoffen wie Wolle oder Pelz präsentierte das Kultlabel Marni. Viel Lack, Leder und Metallglanz präsentierten auch Dolce & Gabbana, dazu durften silberne Reitgerten, Schnallen mit Vorhängeschloss oder breite Korsagengürtel nicht fehlen. Italiens erfolgreichstes Designerduo ließ Raum für kontroverse Spekulationen. Ist dieser neue Look futuristisch sexy oder SM-like?

Neben all den schmalen Silhouetten und maskulinen Schnitten ist im nächsten Winter auch Volumen angesagt: in Form von Ballonröcken zum Beispiel, gesehen etwa bei Armani. Moschino Cheap & Chic hat zudem eine ganz neue Ballonvariante präsentiert: als Schaft über dem Handschuh. Neben vielen weit geschnittenen Formen kennzeichnen Patchworkarbeiten, mit Schmucksteinen bestickte Stickoberteile und asymmetrisch gesäumte Pullover das Bild der Moschino-Kollektion.

Auch die stets mit größter Spannung erwartete Prada-Show enttäuschte die Besucher auch dieses Mal nicht: Das wichtigste Trend-Orakel der italienischen Mode überzeugte mit spektakulären Materialexperimenten und - entgegen den dunklen Kreationen der Kollegen - mit ausdrucksstarken Farben.

Eine einzige Schau für Plus-Size-Models

Ein weiteres Highlight bei der diesjährigen Mailänder Modewoche: Die Modenschau von Elena Miro. Die Designermarke kreiert Kleidergröße 40 bis 54, das Label ist das einzige "für Anschlussgrößen", das sich bei der Milano Moda Donna präsentieren darf. Dementsprechend fehlte den Models die Wespentaille, dafür gab es ansehnliche Kurven und sexy-sinnliche Ausstrahlung. Über den Catwalk gingen auch die beiden Stars der Full-Figure-Mannequins und Plus-Size-Models: Crystal Renn und Kate Dillon.

Im vergangenen Herbst hatte die italienische Regierung einen Feldzug gegen zu dünne Models angekündigt: Giovanna Melandri, Ministerin für Jugendpolitik, hat sich mit den Modeverbänden des Landes auf eine Grundsatzerklärung gegen Magersucht geeinigt. Daraufhin verbannten Madrid und Mailand zu dünne Models von ihren Laufstegen. Kein Wunder also, dass Melandri bei der Schau von Elena Miro in der ersten Reihe saß.

fba/dpa

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