Malaysia-Airlines-Flug MH370: Kritik am Krisenmanagement - DER SPIEGEL
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Verschollene Boeing Kaum noch Hoffnung für Flug MH370

Chaotische Szenen am Flughafen, keine Informationen von Malaysia Airlines: Angehörige von Passagieren der vermissten Boeing üben heftige Kritik an der Fluggesellschaft. Seit mehr als einem halben Tag besteht zu Flug MH370 kein Kontakt - doch nun haben Suchflugzeuge im Meer Ölspuren entdeckt.
Verschollene Boeing: Kaum noch Hoffnung für Flug MH370
Verschollene Boeing: Kaum noch Hoffnung für Flug MH370

Verschollene Boeing: Kaum noch Hoffnung für Flug MH370

Foto: Feng Li/ Getty Images
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Kuala Lumpur/Peking - Zwölf Stunden nach dem letzten Funkkontakt mit Flug MH370 schwindet die Hoffnung auf ein glückliches Ende der Suche nach der Maschine. Die Boeing 777-200 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines ist über dem Meer zwischen Vietnam und Malaysia verschollen. Weniger als eine Stunde nach dem Start verschwand sie vom Radar. Das Flugzeug war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking.

Vietnamesische Behörden meldeten, die Maschine sei abgestürzt - dies wollten malaysische und vietnamesische Minister allerdings nicht bestätigen. Flugzeuge und Schiffe aus China, Vietnam, Malaysia, Singapur und den Philippinen sind im Einsatz, um in dem Seegebiet südwestlich der Südspitze von Vietnam nach dem Flugzeug zu suchen. Das Suchgebiet ist 11.200 Quadratkilometer groß.

Flugzeuge entdeckten im Meer vor der vietnamesischen Küste kilometerlange Ölspuren, wie Vietnams stellvertretender Verkehrsminister Pham Quy Tieu sagte. Sie sind zwischen 10 und 15 Kilometer lang und liegen etwa 500 Meter auseinander. Eine Bestätigung, dass sie von dem Flugzeug stammen, gibt es zwar nicht. Aber laut einer Mitteilung der vietnamesischen Regierung sehen die Spuren so aus, wie es beim Absturz eines Flugzeugs mit zwei Treibstofftanks zu erwarten wäre.

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Angehörige von Flugzeugpassagieren: Tränen und Verzweiflung

Foto: Ahmad Yusni/ dpa

Das Gebiet liege etwa 150 Kilometer vor der Insel Tho Chu, wo die Boeing 777-200 sich etwa befand, als am frühen Samstag der Funkkontakt abbrach. Die Suche aus der Luft habe kurz darauf wegen Dunkelheit abgebrochen werden müssen, doch Schiffe setzten die Suche fort.

Flug MH370 war in 10.670 Metern Höhe unterwegs. Ein Wrack wurde bislang nicht gefunden. Einen Notruf setzt die Maschine nicht ab, was manche Beobachter als Zeichen werten, dass sich das Schicksal des Flugzeugs schnell so entschied, dass den Piloten keine Zeit blieb zu reagieren.

Fast zwei Drittel der 239 Menschen an Bord sind Chinesen. Chinas Premierminister Li Keqiang drängte im Telefonat mit Malaysias Premierminister Najib Razak auf eine schnelle und sorgfältige Suche.

In Peking richteten die Behörden für Angehörige und Freunde von Passagieren einen Shuttlebus-Service zu einem etwa 15 Kilometer entfernten Hotel ein. Die Angehörigen griffen die Informationspolitik der Fluggesellschaft an.

"Sie haben mir keinerlei Informationen gegeben"

Man sei mit der Aussage in das Hotel gebracht worden, man solle auf Benachrichtigung durch die Airline warten, sagten Betroffene. "Es gibt keinen Vertreter des Unternehmens hier, wir können keine einzige Person finden. Sie haben uns in diesen Raum gesperrt und gesagt, wir sollen warten", sagte ein Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Etwa 20 Personen stürmten zu einem Zeitpunkt aus dem Zimmer, um gegen die Vorgehensweise von Malaysia Airlines zu protestieren. "Wir wollen, dass jemand sein Gesicht zeigt. Sie haben uns noch nicht einmal die Passagierliste gegeben", sagte der Mann. Ein anderer Betroffener sagte: "Sie behandeln uns schlimmer als Hunde." Und ein dritter: "Wir warten seit Stunden. Und es gibt immer noch keine Bestätigung."

Sanved Kolekar, ein Arbeiter aus Indien, stand wie viele andere schockiert am Flughafen in Peking. Er erwartete seine Eltern, die ihn besuchen wollten. "Meine Eltern sind in dem Flugzeug", sagte er. "Ich weiß nicht, was geschehen ist. Sie haben mir keinerlei Informationen gegeben."

Die Situation lasse sich nur als chaotisch beschreiben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Ein nicht namentlich identifizierter Mitarbeiter der Fluggesellschaft habe für wenige Minuten zu Journalisten gesprochen, ehe er gegangen sei. "Wir arbeiten mit den Behörden, die Such- und Rettungsteams eingesetzt haben", sagte der Sprecher. "In unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei den betroffenen Passagieren und ihren Familienmitgliedern."

227 Passagiere aus mindestens 14 Ländern

Chinesische Medien griffen die Fluggesellschaft auf dem Twitter-ähnlichen Kurznachrichtendienst Sina Weibo an. Malaysia Airlines habe viel zu lange gebraucht, um mitzuteilen, was vorgefallen sei. Zudem habe das Unternehmen lange Zeit keine Fragen beantwortet.

"Malaysia Airlines, warum hast du fünf Stunden gewartet, nachdem du den Kontakt zu der Maschine verloren hattest, bis du die Nachricht veröffentlicht hast? Und warum hast du erst nach fast 13 Stunden eine Pressekonferenz abgehalten?", schrieb die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Fluggesellschaft kontaktiere Angehörige von Passagieren und Besatzung, sagte Airline-Chef Ahmad Jauhari Yahya. Nach Angaben der Fluggesellschaft stammten die 227 Passagiere aus mindestens 14 Ländern.

Der 53-jährige Pilot hat nach Angaben der Airline mehr als 18.000 Flugstunden hinter sich. Er arbeitet seit 1981 für das Unternehmen. Der 27-jährige erste Offizier hat rund 2800 Stunden Flugerfahrung und steht seit 2007 im Dienst von Malaysia Airlines.

Über dem Meer verschollene Flugzeuge können sehr schwer zu finden sein. Im Fall des 2009 abgestürzten Air-France-Fluges 447 dauerte es fast zwei Jahre, ehe große Teile des Wracks und die Blackboxes gefunden wurden.

Die Blackbox sendet war ein Ultraschallsignal aus, das unter Wasser empfangen werden kann - bei guten Bedingungen auch über Hunderte Kilometer. Sollte sich die Blackbox in einem Wrack oder einem Graben am Meeresgrund befinden, wird das Signal allerdings gestört.

ulz/Reuters/AP/dpa