Trauer um Absturz-Opfer "Ungewollt, unglaublich, unfair"
Den Haag - Manche wollten von Amsterdam nach Kuala Lumpur, für andere sollte Malaysia nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Australien sein: An Bord des abgestürzten Fluges MH17 von Malaysia Airlines waren 298 Menschen, deren Tod nun beklagt wird. Die Trauer ist global, sie verbindet eine Schule in Australien, einen englischen Fußballklub, eine Konditorei in Dubai, die Weltgesundheitsorganisation und ein niederländisches Fischerdorf. Beweint werden Angehörige, ehrenamtliche Helfer, Kollegen, Verwandte.
"Es ist ein schwarzer Tag", sagte Ron Peter Pabellon. Der Konditor stammt von den Philippinen, arbeitet aber in Dubai. Er mag sich nicht damit abfinden, dass er eine Tante, einen Onkel und zwei Cousins verloren hat. "Ich möchte sie mit eigenen Augen sehen, weil ich es nicht akzeptieren will. Ich möchte es nicht glauben."
Mehrere Passagiere waren zu einer großen Aids-Konferenz nach Melbourne unterwegs. Die Uno-Organisation UNAIDS teilte mit, bei dem Absturz seien einige der besten Kämpfer gegen die Krankheit gestorben. Ein Opfer war Joep Lange, ein Wissenschaftler an einem Krankenhaus in Amsterdam. "Er war eine große Inspiration für jeden, der etwas gegen die Aids-Tragödie in Afrika und Asien tun wollte", teilte das Hospital mit.
Fotostrecke: Das Trümmerfeld von Hrabowe
Die Weltgesundheitsorganisation WHO verlor durch den Absturz ihren Sprecher Glenn Thomas. Der 49-Jährige war ebenfalls auf dem Weg zu der Aids-Konferenz. G. werde für sein Lachen und seine Leidenschaft für die öffentliche Gesundheit in Erinnerung bleiben, teilte die Organisation mit.
"Mit allen Getroffenen fühlen wir sehr mit"
Trauer um Absturzopfer: Gedenken, trauern, kondolieren
Am schwersten betroffen sind die Niederlande. Einwohner des Landes stellen mit nach Zählung der Airline 192 Toten die größte Gruppe der Opfer. König Willem-Alexander sprach den Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus und trug sich mit seiner Frau Máxima in Den Haag in die Kondolenzliste der niederländischen Regierung ein. "Viele Tausende Menschen in unserem Land und anderswo trauern um den Verlust von Angehörigen, Freunden, Kollegen, Klassenkameraden und Bekannten. In unseren Gedanken sind wir bei ihnen. Mit allen Getroffenen fühlen wir sehr mit", schrieb der König.
Der Niederländer Cor S. machte vor dem Start am Flughafen Schiphol wohl ein Foto der Maschine und veröffentlichte es auf Facebook, dazu den Kommentar: "Falls sie verschwinden sollte, so sieht sie aus." Es sollte wohl eine Anspielung auf Flug MH370 sein, dessen Verbleib bis heute ungeklärt ist. Nun, da Flug MH17 abgestürzt ist und 298 Menschen gestorben sind, erscheinen die Worte rückblickend wie ein schlechtes Omen. Cor S. kommt aus dem Fischerort Volendam. Dort wurde eine Nachricht an den Mann und seine ebenfalls ums Leben gekommene Freundin hinterlegt. "Das ist ungewollt, unglaublich und unfair. Ruhet in Frieden. Wir werden euch nie vergessen."
In Sydney versammelten sich Schüler an der Kincoppal-Rose Bay School of the Sacred Heart zum Gebet für Schwester Philomene Tiernan. Die 77-Jährige war Lehrerin an der Schule und ebenfalls an Bord von MH17. "Für mich war sie eine großartige Mentorin und eine persönliche Freundin", sagte Schulleiterin Hilary Johnston-Croke mit zitternder Stimme. Das Toorak College in Melbourne, eine weitere australische Schule, trauert ebenfalls um eine Lehrerin. Frankie D. saß mit ihrem Ehemann in der abgestürzten Maschine.
"Sie waren wunderbare Menschen"
Unfassbares Leid durchlebt die Australierin Kaylene Mann. Sie hatte bereits durch das Verschwinden von Malaysia-Airlines-Flug MH370 ihren Bruder und ihre Schwägerin verloren. Nun trauert sie um ihre Stieftochter und deren Mann - die beiden waren an Bord von MH17.
Im australischen Bundesstaat Victoria lebten der Immobilienmakler Albert R. und seine Frau. Beide starben auf dem Flug und hinterlassen auch beim Sportverein Sunbury Football Club eine Lücke. Dort waren sie ehrenamtlich tätig, er im Vorstand, sie in der Cafeteria - auch ihr Sohn spielte bei dem Verein. "Sie waren wunderbare Menschen. Man hörte über sie kein schlechtes Wort - sehr großzügig in ihrer ehrenamtlichen Arbeit, sehr an der Gemeinschaft orientiert", sagte Klubpräsident Phil Lithgow.
Mit Flug MH17 waren auch John A. und Liam S. unterwegs nach Australien. Die Briten waren Fans des englischen Erstliga-Fußballklubs Newcastle United und reisten ihrem Lieblingsteam hinterher, um es in Neuseeland spielen zu sehen. Am Stadion des Klubs in England wurden Blumen und Kränze niedergelegt, um der Toten zu gedenken .
Die Maschine von Malaysia Airlines war am Donnerstag über dem Osten der Ukraine abgestürzt. Es wird vermutet, dass die Maschine von einem prorussischen Rebellenstützpunkt aus Versehen abgeschossen wurde. Die Ukraine und prorussische Separatisten kämpfen seit Wochen in dem Gebiet gegeneinander. Beide Seiten geben sich wechselseitig die Schuld an dem Absturz.
Absturz von Malaysia Airlines MH17: Trümmer, Opfer, Folgen