Marc Forster - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Marc Forster

Der 31-jährige Schweizer Regisseur über Leben und Arbeiten in Hollywood
• aus DER SPIEGEL 15/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Für Ihren ersten großen Hollywood-Film »Monster's Ball« haben Sie sich ein genuines US-Thema ausgesucht: Südstaaten-Rassismus. Was versteht ein höherer Sohn aus der Schweiz davon?

Forster: Nicht viel. Als ich noch in Davos lebte, bin ich nach der Schule natürlich lieber Skifahren gegangen. Weil ich so ahnungslos war, habe ich in den USA anfangs alles wie ein kleines Kind beobachtet und aufgesogen. Das half mir später, diesen Film über die Witwe eines zu Tode verurteilten Schwarzen zu drehen, die sich in den Henker ihres Mannes verliebt.

SPIEGEL: Wie viel Autorität hatten Sie am Set, umgeben von Stars wie Halle Berry oder Billy Bob Thornton?

Forster: Sie meinen wohl, die hätten mich jungen Hüpfer nicht ernst genommen? Zugegeben: Ich war selbst überrascht, dass alle immer das gemacht haben, was ich wollte - und wie sehr sie mir vertrauten. Aber Halle Berry hätte wohl mit jedem gedreht, so sehr wollte sie diese Rolle.

SPIEGEL: Warum?

Forster: Weil sie als schwarze Frau eine Menge über Rassismus weiß. Sie hatte das Drehbuch schon gelesen, bevor klar war, dass ich Regie führen würde. Sie war besessen von dem Stoff. Deshalb freue ich mich über ihren Oscar ganz besonders.

SPIEGEL: Wie wollen Sie sich in Zukunft Ihren Außenseiter-Blick bewahren?

Forster: Indem ich weiterhin den größten Wert auf Anspruch und Inhalt lege. Sonst hätte ich ja in der Schweiz auch Banker werden können. Gerade arbeite ich wieder an einem großen US-Thema: Drogen. Zum Glück bin ich in einer Zeit erfolgreich, in der man jungen Regisseuren eine Chance gibt. Hier in Hollywood gibt es niemanden, der sagt: Ach, Sie sind Schweizer? Dann dürfen Sie nur Fondue zubereiten.

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