Gestorben Maria Rank, 97
Heinz Egleder
Sie kam auch noch im Alter von über 90 Jahren zu Besuch ins SPIEGEL-Gebäude, wenn sie eingeladen worden war, um als Zeitzeugin über die Gründerjahre zu sprechen. In einem Haus mit einer so langen Geschichte wie dem SPIEGEL haben die Mitarbeitenden immer mal wieder das Bedürfnis, mehr über die Ursprünge zu erfahren – auch um sich das Heutige besser erklären zu können. Und Maria Rank konnte wunderbar erzählen.
Von Rudolf Augstein vor allem, der 1947 von britischen Offizieren eine zunächst vorläufige Lizenz für die Gründung eines deutschen Nachrichtenmagazins bekommen hatte. Augstein habe sich, sagte Rank, für seine Redaktion zunächst die Räume im Anzeiger-Hochhaus seiner Heimatstadt Hannover ausgesucht. Rank, die selbst auch in der niedersächsischen Stadt aufgewachsen war, sagte, sie habe sich eines Tages eine Schreibmaschine und einen Atlas geschnappt und sich dann Augstein als neue Mitarbeiterin vorgestellt. Auf diese Weise hätten die meisten in jener Zeit eine Stelle beim SPIEGEL bekommen.
Rank baute die Dokumentationsabteilung des Magazins mit auf, sie recherchierte und prüfte Fakten. Von Augstein ist das Zitat überliefert, die »Rank-Organisation« zaubere »die extravagantesten Auskünfte« hervor. Heute hat der SPIEGEL die größte Pressedokumentationsabteilung im europäischen Journalismus. Rank zog noch mit der Redaktion nach Hamburg mit, kehrte dann aber 1961 nach Hannover zurück. Sie lebte zuletzt im dortigen Stadtteil Vahrenwald. Maria Rank starb am 20. April.