Marie Pohl - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Marie Pohl

Die 23-jährige Berliner Autorin über ihre Begegnungen mit der Jugend der Welt
• aus DER SPIEGEL 36/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Für Ihr Buch »Maries Reise« haben Sie in Berlin, Havanna, Buenos Aires, San Francisco, Hanoi, Tiflis, Jerusalem und Helsinki die interessantesten Personen Ihrer Generation gesucht. Gibt es den globalisierten Jugendlichen?

Pohl: Nein. Es gibt natürlich Dinge, die uns miteinander verbinden, egal ob man aus Georgien oder Argentinien kommt: Musik, Klamotten, Filme oder das Internet. Aber mir ist aufgefallen, wie stark die meisten mit ihrer Kultur verbunden sind.

SPIEGEL: Welche Begegnung war am aufregendsten?

Pohl: Die mit Meital, einer israelischen Siedlerin. Viele junge Israelis, die ich traf, sind gegen Sharon und seine Politik. Ich wollte daher unbedingt eine orthodoxe, rechte Siedlerin kennen lernen. Meital leidet darunter, dass sie von allen anderen als Phänomen gesehen wird. Es hat mich nachdenklich gemacht, wie sehr eine Religion oder Politik das Leben eines Menschen belastet.

SPIEGEL: Wie fanden Sie die Leute?

Pohl: Für jede Stadt hatte ich vorher eine Anlaufadresse. Der Rest hat sich ergeben. Zum Glück ist meine Generation sehr neugierig und offen.

SPIEGEL: Ist sie auch so verwöhnt und übersättigt, wie behauptet wird?

Pohl: Natürlich sind wir verwöhnt, doch daran sind die schuld, die uns das nachsagen. Aber was nicht stimmt, ist der Vorwurf, wir seien unpolitisch. Dinge, die uns stören, versuchen wir zu ändern, so schnell und pragmatisch wie möglich.

SPIEGEL: Wie haben Sie die neun Monate Reisen verändert?

Pohl: Das ganze Projekt dauerte sogar drei Jahre. Meine Freundinnen haben in der Zeit eine Ausbildung gemacht, ich dagegen musste mich mit existenziellen Fragen beschäftigen: Wer bin ich? An was glaube ich?

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