Maschendraht Hunderte Zaungäste bei Friedensparty
Auerbach - Der Maschendrahtzaun im vogtländischen Städtchen Auerbach soll künftig kein "Wallfahrtsort" mehr sein. Mit einer Party wollte der Privatsender SAT.1 am Sonntagabend einen Schlussstrich unter den inzwischen zum Medienspektakel ausgearteten Nachbarschaftsstreit um Hausfrau Zindler ziehen. Die Polizei erwartete dazu hunderte von Schaulustigen. Das Boulevard-Magazin "Blitz" wollte mit live-Schaltungen berichteten, sagte die Koordinatorin des Magazins, Alexandra Scholz, am Sonntag.
Zindler bot mit ihrem Nachbarschaftsstreit, der in einer SAT.1-Gerichtssendung gezeigt wurde, die Vorlage für Stefan Raabs Lied vom Maschendrahtzaun. Die Frau wird seither von Medien und Schaulustigen verfolgt und geriet zwischen die Fronten zweier Privatsender. So wurde Familie Zindler in der vergangenen Woche vom Sender RTL nach Paris geflogen. Wie RTL-Sprecher Andreas Muhs sagte, hielt sie sich nach wie vor in der französischen Hauptstadt auf und werde definitiv nicht auf der Party des Konkurrenzsenders erscheinen. Frau Zindler habe nur den Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden und nach Hause zurückkehren zu können, sagte Muhs. Der Rummel nehme sie sehr mit. Solange ihr Haus belagert werde, fühle sie sich bedroht.
Die Zufahrten zum Weg, in dem Zindler wohnt, wurden am Sonntag für den Verkehr gesperrt. Die Polizei schloss Ausschreitungen nicht aus, da der anhaltende Medienrummel seit Tagen zu ständigen Belagerungen dieser Auerbacher Wohngegend geführt hatte. Auch am Samstagabend war es hier zu tumultartigen Szenen gekommen, als knapp hundert Menschen in der Nähe von Zindlers Haus ein kleines Volksfest mit reichlich Alkohol veranstalteten. Kamerateams von SAT.1 und RTL, die schon seit mehreren Tagen vor Ort sind, filmten das gesamte Geschehen.
Nach dem Willen des Fernsehsenders SAT.1 sollten nun am Sonntagabend die verfeindeten Nachbarn ihren Streit begraben. Regina Zindler wollte nicht hinnehmen, dass der Knallerbsenstrauch eines Nachbarn durch ihren Maschendrahtzaun wuchs. Der Sender wollte eigenen Angaben zufolge mit der Party am Sonntag ein Zeichen in einer Situation setzen, "die auf der Straße unkontrollierbare Züge annehmen könnte".
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat den Medienrummel um den "Maschendrahtzaun" heftig kritisiert. Das Theater um den Nachbarschaftsstreit sei grotesk, sagte DJV-Vorsitzender Siegfried Weischenberg. Man könne den verrosteten Maschendrahtzaun und den Knallerbsenstrauch als Symbole für den Müll nehmen, den die Medien heute produzierten, sagte Weischenberg. Verantwortlich dafür sei unter anderem "unsere Neugier, die die Medien bedienen", sagte er. Dahinter stecke ein ungeheurer Kommerzialisierungsdruck, der vor allem auf den privaten Medien laste.