Massaker in Minnesota Das rechte Vorleben des Todesengels
Hamburg - Am 19. März 2004 kurz nach Mitternacht setzt der "Todesengel" seine erste Botschaft ab: "Hallo zusammen! Ich bin Jeff Weise, ein amerikanischer Ureinwohner aus dem Red Lake Reservat in Minnesota. Ich möchte gerne Ihrer Gruppe beitreten, weil ich Ihre Ideale unterstütze." Auf die zwischenzeitliche Frage nach seinen Beweggründen ergänzt Weise, der sich im Netz "Todesengel" nennt, eine Stunde später: "Ich habe schon immer Hitler und seine Ideale bewundert. Außerdem verachte ich den Kommunismus."
Unklar ist bislang noch, ob es sich bei dem Autoren der rechtsextremen Einträge im "Nationalisten Forum" tatsächlich um den Jungen handelt, der gestern seinen Großvater, dessen Lebensgefährtin, eine Lehrerin, einen Wachmann und fünf Mitschüler erschoss sowie mindestens 14 weitere Menschen verletzte, ehe er sich selbst das Leben nahm. Die Betreiber der rechtsextremistischen Seite räumten heute ein, dass Weise insgesamt 34 Nachrichten in ihrem Forum veröffentlicht habe. Auch die örtliche Tageszeitung "Pioneer" hatte in ihrem Bericht über den Amoklauf auf die Einträge in dem einschlägigen Internetforum hingewiesen.
Der "Todesengel" jedenfalls suchte im Netz nach Gesinnungsgenossen, nach Anschluss und Anerkennung. "Ich mag jung sein, aber ich möchte helfen." Er sei gerne bereit, neue Anhänger für das rechte Lager zu rekrutieren. "Einige meine Freunde mögen Hitler und finden ihn cool."
Am 19. April um 23.41 Uhr schreibt er: "Nebenbei bemerkt, an meiner Schule hat jemand damit gedroht, morgen, an Hitlers Geburtstag, um sich zu schießen. Und ratet mal, wen sie beschuldigen? Mich! Nur weil ich mich dazu bekenne, ein Nationalsozialist zu sein." Einen Monat später klagt der Autor: "Du wirst ziemlich angefeindet, wenn du dich als Nationalsozialist zu erkennen gibst. Aber bei meiner Größe und Figur lassen die Leute mich eher in Ruhe, als wenn ich schwach wäre."
Über den mutmaßlichen Todesschützen Jeff Weise ist noch wenig bekannt: Angestellte der Schule beschreiben Weise in der "Seattle Times" als Einzelgänger, als "verwirrten Jungen", der das ganze Jahr über lange schwarze Mäntel getragen und "im Leben verloren" gewirkt habe. "Er war ziemlich intelligent, aber in der Schule sehr faul. Nur für Videospiele konnte er sich begeistern. Er hat sich ständig Notizen gemacht, die irgendwie dunkel und böse waren", zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter der High School. Auch habe Weise die Musik des Schockrockers Marilyn Manson gemocht, schreibt das Blatt.
Wie die "St. Paul Pioneer Press" berichtet, soll sich Weises Vater vor vier Jahren umgebracht haben. Die Mutter des 15-Jährigen lebe in einem Pflegeheim, nachdem sie bei einem Verkehrsunfall schwere Hirnschäden erlitten hätte.
Seinen Nazi-Freunden aus dem Netz hatte der "Todesengel" schon vor fast genau einem Jahr angedroht: "Wenn ich mich auf etwas festgelegt habe, bleibe ich dabei - bis zum Ende."