Massenselbstmord Erster Prozess gegen Sonnentempler
Grenoble - Wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung steht der 58 Jahre alte Schweizer Orchesterchef Michel Tabachnik seit Dienstag vor Gericht. Er wird verdächtigt, die "Nummer drei" und der "Theoretiker" der Sekte gewesen zu sein. Tabachnik bestreitet alle Vorwürfe. Bei einer Verurteilung drohen dem Genfer bis zu zehn Jahre Gefängnis. Das Verfahren vor der Strafkammer der ostfranzösischen Stadt läuft bis zum 30. April.
Die Leichen hatten Einschüsse sowie Spuren von Injektionen oder auch Verletzungen durch Verbrennungen aufgewiesen. Die Ergebnisse der Obduktion von 16 Anhängern, die in den Bergen nahe von Grenoble gefunden worden waren, schienen darauf hinzudeuten, dass 14 erschossen wurden, ehe sich die beiden Täter selbst das Leben nahmen.
Der Orchesterchef mit Schweizer und französischem Pass hatte den Prozess als "Falle" bezeichnet und gemeint, er habe nichts auf der Anklagebank zu suchen. Nach Informationen aus französischen Geheimdienstkreisen soll ein Drittel der Gelder, die der Sekte zugeflossen sind, an Tabachnik gegangen sein. Dieser sei für Publikationen und Konferenzen der Sonnentempler bezahlt worden.
Die Untersuchungsverfahren zu den Massenselbstmorden in der Schweiz und Kanada sind eingestellt worden. Mitglieder der Sekte, deren Lehre christliche Rituale, die Apokalypse aus der Bibel, Marienkult und Astrologie vermischt, mussten ihr Geld der Sekte überlassen und außerdem Bindungen zu ihren Familien lösen.