Matthias Dahlinger - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Matthias Dahlinger

Der 37-jährige Gastronom aus Freiburg über die Last der Michelin-Sterne
• aus DER SPIEGEL 22/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Warum haben Sie Ihren Michelin-Stern zurückgegeben?

Dahlinger: Es war eine rein wirtschaftliche Entscheidung. Als wir den Stern vor fünf Jahren bekamen, waren wir natürlich stolz. Ich hatte auch anfangs nie das Gefühl, jetzt unter besonderem Druck zu stehen. Aber mittlerweile können wir es uns nicht mehr leisten, den Aufwand zu treiben, den die Gäste von einem Sterne-Restaurant erwarten. Das Restaurant »Eichhalde« ist eben nur ein kleiner Betrieb.

SPIEGEL: Was muss ein Sterne-Restaurant denn leisten, außer gut zu kochen?

Dahlinger: Wir hatten eine Weinkarte mit 250 Posten, zu jedem Menü werden Amuse-Gueules gereicht. Anfangs war es eins, inzwischen sind wir bei drei dieser kleinen Vorspeisen. Diese Aufmerksamkeiten sind teuer. Der Aufwand, selbst gemachtes Salzgebäck und Pralinen zu jeder Gelegenheit zu reichen, hat sich nicht mehr gelohnt. Außerdem hat sich das Essverhalten geändert. Die Leute möchten jetzt öfter mal was Bodenständiges essen.

SPIEGEL: Und was wird sich jetzt für Sie ändern?

Dahlinger: Für mich persönlich nicht viel. Ich werde auch in Zukunft wenig Zeit mit meiner Familie verbringen können. Mein Ziel ist es nicht, ein ruhigeres Leben zu führen. Die Qualität der Küche möchte ich halten und gewinnorientierter arbeiten.

SPIEGEL: Sie haben doch sicher lange auf den Stern hingearbeitet.

Dahlinger: Ich habe auf ein gut laufendes Geschäft hingearbeitet. Das war mir immer schon wichtiger.

SPIEGEL: Dennoch hätte es Ihnen bestimmt wehgetan, wenn die Restaurantkritiker Ihnen den Stern abgenommen hätten.

Dahlinger: Es wäre der Ruin gewesen. Eine ganz große Misere.

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