McVeigh-Hinrichtung: Deutsche Internetfirma will live übertragen - DER SPIEGEL
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McVeigh-Hinrichtung Deutsche Internetfirma will live übertragen

Am 16. Mai soll der Terrorist Timothy McVeigh in den USA per Giftspritze hingerichtet werden. Der Düsseldorfer Unternehmer Harald Thoma, Sohn des RTL-Erfinders Helmut Thoma, will die Todesminuten in Deutschland live im Netz übertragen. Ein US-Richter hat Internet-Übertragungen verboten, doch die Berufung läuft bereits.
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Düsseldorf - "Uns geht es nicht im Sensationshascherei", betont Harald Thoma unablässig, "man muss den Leuten doch zeigen, wie grausam die Todesstrafe ist." Deshalb will er mit seiner Firma "Absolutfilm" die Hinrichtung von Timothy McVeigh auch den deutschen Internetusern zugänglich machen. Live und in Farbe.

Die Hinrichtung soll am 16. Mai über die Bühne gehen. Der 32-jährige Timothy McVeigh gilt als Haupttäter des Bombenanschlags auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma am 19. April 1995. Bei der Sprengstoffattacke kamen 168 Menschen ums Leben. Der Anschlag hatte in Amerika Bestürzung ausgelöst und Angst vor weiteren Terroranschlägen innerhalb Amerikas geschürt. Ein Gericht verurteilte Timothy McVeigh schließlich zur Todesstrafe.

Angehörige wollen McVeigh sterben sehen

Um die Hinrichtung, die mit einer Giftspritze durchgeführt wird, ist nun in den USA ein regelrechter Medienkrieg ausgebrochen. Über 1300 Reporter haben sich für die Exekution am 16. Mai in der Kleinstadt Terre Haute akkreditiert und auch alle Angehörigen der Opfer wollen die Hinrichtung live mitverfolgen. Deshalb kam die amerikanische Internetagentur "Entertainment network" auf die Idee, die letzten Minuten von McVeigh im Internet zu übertragen. Über ein Programm wie den "Realplayer" könnte man dann live jedes Detail der Exekution mitverfolgen.

Die Entscheidung ist aber noch nicht endgültig. Zwar sind Live-Übertragungen aus dem Todestrakt in Amerika durchaus üblich, trotzdem muss "Entertainment network" das Internet-Streaming noch vor einem Berufungsgericht durchboxen. Am Donnerstag versagte der Richter zunächst die Erlaubnis, da die Übertragung nicht dem Grundgesetz entspreche. Trotzdem wollen die Chefs von "Entertainment network" erneut Berufung einlegen. Die Macher zeigen sich weiter optimistisch, dass sie gewinnen werden.

Das Ansehen der Bilder wird in den USA nicht umsonst sein: Die Firma will von jedem Internetuser, der sich die Bilder ansieht, rund 4 Mark kassieren. Teile des Geldes sollen in den Opferfonds für die Toten von Oklahoma fließen.

1000 Deutsche könnten live "dabei" sein

Die deutsche Firma "Absolutfilm" aus Düsseldorf verhandelt jetzt mit den Amerikanern. "Wir sind guter Hoffnung, uns einig zu werden", sagte der Geschäftsführer Harald Thoma. Der Internet-Unternehmer ist der Sohn des RTL-Erfinders Helmut Thoma, derzeit Medienberater des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement. Vater Helmut sitzt auch im Beirat von "Absolutfilm".

Man müsse sich nur noch über den Preis einigen, so Harald Thoma. Seine 10-köpfige Firma, die seit Februar 2001 ein Unterhaltungsportal im Internet betreibt, könnte demnach für etwa 1000 deutsche Internetsurfer Live-Bilder im Netz zur Verfügung stellen. "Für alle anderen halten wir die Daten natürlich noch bereit, die müssen sich dann fünf Minuten gedulden", verspricht Thoma.

Nach bisheriger Planung will "Absolutfilm" in Deutschland dafür keine Gebühr verlangen. "Wir wollen aus der Sache kein Kapital schlagen", sagt Thoma und argumentiert weiter, ohne die Bilder könne man die Grausamkeit der Todesstrafe nicht belegen. Dazu zieht er das Beispiel eines Pressefotos aus dem Vietnam-Krieg bei. Auf dem Foto war die Exekution eines angeblichen Rebellen durch einen Polizisten zu sehen. Genau dieses Foto wurde schließlich zur Schlüsselemotion der Anti-Vietnam-Kriegs-Bewegung in Amerika. "Ähnlich könnte dies bei der Hinrichtung auch sein", so Thoma.

Premiere in Deutschland

Rechtliche Probleme in Deutschland sieht Thoma bisher nicht. "Ich habe mit der Freiwilligen Selbstkontrolle gesprochen und die sehen keine juristischen Schwierigkeiten." In der Tat könnte aber die Übertragung der Bilder eine grundsätzliche Auseinandersetzung über solche Inhalte Im Netz werden. Bisher gibt es aber noch keinen Präzedenzfall.

Timothy McVeigh selbst sieht der Hinrichtung, die er "Selbstmord mit staatlicher Hilfe" nennt, gelassen entgegen. Der 32-jährige hatte das Urteil ohne Emotion hingenommen und - ungewöhnlich bei solchen Urteilen - auch keine Rechtsmittel eingelegt. Als er von der Übertragung im Fernsehen hörte, so berichten amerikanische Zeitungen, sei er "begeistert" gewesen. Bereits im Prozess hatte er gesagt, er habe das Gebäude in Oklahoma vor allem deswegen ausgesucht, damit es gute Fernsehbilder zu sehen gebe. Die letzten Minuten live im Internet - für den Attentäter offenbar eine letzte Bestätigung.