Mehr als 170 Opfer: Qualvoller Tod in der Seilbahn - DER SPIEGEL
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Mehr als 170 Opfer Qualvoller Tod in der Seilbahn

Mehr als 170 Skifahrer sind am österreichischen Kitzsteinhorn in einer brennenden Gletscherbahn ums Leben gekommen. Nur acht Insassen konnten sich retten.
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Wien - Es sei eine "Katastrophe ungeheuren Ausmaßes", sagte der Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger. Er ordnete Staatstrauer an. Ob unter den Toten auch Deutsche sind, war nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin bis zum Nachmittag noch unklar. Die Fahrgäste, die zum Skifahren auf den Gletscher wollten, hätten keine Chance gehabt, sagte Schausberger.

Der Zug war mit 180 Menschen voll besetzt. Etwa 600 Meter nach der Einfahrt in den insgesamt 3,2 Kilometer langen Bahn-Tunnel habe sich ein Schwelbrand mit rasender Geschwindigkeit ausgebreitet. Der Brand brach nach Angaben des Bürgermeisters von Kaprun, Norbert Karlsböck, am Morgen zwischen 9 und 9.30 Uhr aus. Die Ursache ist noch unklar. Die Polizei in Kaprun vermutete einen technischen Defekt. Die Überlebenden hatten im hinteren Teil des Wagens Scheiben eingeschlagen und waren ins Freie gerannt.

Sie waren auf dem Weg zu einem Fest

Die deutschen Behörden schalteten am Mittag eine zentrale Rufnummer beim Münchner Flughafen, bei der besorgte Angehörige Auskunft erhalten. Unter 089/97620 ist die gemeinsame Auskunfts- und Vermisstenstelle zu erreichen. Die Behörden hatten schon am Morgen Großalarm ausgelöst. Die Zufahrt zu dem Alpengipfel wurde großräumig abgesperrt. Feuerwehrleute versuchten mit Atemschutzgeräten, zu den Opfern im Tunnel vorzudringen.

Die deutsche Bundeswehr und der Bundesgrenzschutz schickten drei Rettungshubschrauber, um die österreichischen Bergungsmannschaften zu unterstützen. Zusätzlich entsandte die Bundeswehr einen Großraumhubschrauber vom Typ CH53 mit Rettungsausstattung und drei Ärzteteams des Bundeswehr-Krankenhauses Ulm nach Österreich. Von einem Notärzte-Kongress in Salzburg eilten 20 Ärzte zur Hilfe an den Unglücksort.

Die Bahn hatte die Skifahrer zu einem Fest zur Saisoneröffnung auf den Gletscher bringen sollen. Das 3203 Meter hohe Kitzsteinhorn liegt etwa hundert Kilometer südwestlich von Salzburg. Sein vergletscherter Gipfel ist ein beliebtes Sommer-Skigebiet. Die Gletscherbahn führt von Thörl im Kapruner Tal bis zum Alpincenter Kaprun, Startpunkt der Pisten.

Erst im vergangenen März waren in dem Skigebiet zwölf Menschen tödlich verunglückt. Ein gigantisches Schneebrett hatte die Skifahrer, die auf dem Gletscher gerade eine Skilehrer-Ausbildung machten, unter sich begraben. Der letzte schwere Unfall mit einer Seilbahn ereignete sich im vergangenen Juni an der Zugspitze: Nahe Garmisch-Partenkirchen waren zwei Wagen der Bahn zum höchsten deutschen Berg zusammengestoßen - mehr als 60 Menschen wurden verletzt.