Meir Shalev, 74 - Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Meir Shalev, 74

• aus DER SPIEGEL 16/2023
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Torsten Silz / ddp

Der israelische Autor Meir Shalev ist ein gutes Beispiel dafür, dass es gelingen kann: auf einmal etwas ganz Neues machen. Aufhören mit dem Alten, der Sicherheit Ade sagen und endlich das tun, was einem Spaß macht.

Shalev arbeitete als Fernsehmoderator, erfolgreich, ein gutes Leben, aber irgendetwas fehlte wohl. Mit 38 Jahren hörte er schlagartig auf und schrieb seinen ersten Roman. »Ich habe gepokert«, sagte er dazu einmal, und offenbar hatte er ein gutes Blatt. »Ein russischer Roman« wurde ein Bestseller, und seither galt Shalev als einer der wichtigsten israelischen Schriftsteller. Mit Büchern wie »Der Junge und die Taube« und »Zwei Bärinnen« wurde er auch in Deutschland bekannt, im Juli wird sein neuer Roman »Erzähl’s nicht deinem Bruder« erscheinen.

Shalev, geboren 1948, im selben Jahr, in dem auch der Staat Israel gegründet wurde, äußerte sich immer wieder politisch, er war ein Befürworter der Zweistaatenlösung. Dem SPIEGEL sagte Shalev in einem Interview im Jahr 2007: »Ich war im Sechstagekrieg als Soldat an der Front, ich habe das Westjordanland direkt nach der Eroberung gesehen: Es war voller Dörfer und Städte, voller Menschen. Ich kam nach Hause und sagte zu meinem Vater: ›Wir haben einen Bissen geschluckt, an dem wir ersticken werden.‹ Ich war neunzehneinhalb, er war stinksauer, aber ich hatte recht.«

Neben dem Schreiben und schnellen Autos hatte Shalev vor allem eine Leidenschaft, der er in seiner Freizeit nachging: Er hatte sich einen Garten mit Wildblumen angelegt. Meir Shalev starb am 11. April nordwestlich von Nazaret.

XVC
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