Memphis: Dämme halten Mississippi-Flutwelle stand - DER SPIEGEL
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Flut in Memphis

Foto: Dan Anderson/ dpa

Memphis Dämme halten Mississippi-Flutwelle stand

Die mächtige Flutwelle des Mississippi rauscht durch Memphis - und die Dämme haben ihr bisher getrotzt. Die historische Musikstadt hat den Scheitelpunkt der Welle überstanden, flussabwärts geht das Bangen weiter.
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Memphis - Latisha Bowles hat bis zum Schluss gehofft, dass der sogenannte Old Man River, der Mississippi, ihr Haus nicht überflutet. "Er will nach hier oben kommen, aber ich habe jeden Tag gebetet, dass er es nicht tut", sagte die Frau, die als einzige aus ihrer Nachbarschaft in Memphis den Wassermassen in ihrem Haus trotzte. Die Aufrufe der Behörden, Hab und Gut zurückzulassen und wie 900 andere Familien in eine Notunterkunft zu ziehen, hatte sie ignoriert.

Bowles hatte Glück: Der Mississippi ist nicht bis zu ihrem Haus gestiegen. Die meterhohen Schutzdämme haben auch am Dienstag den Fluten standgehalten, die Menschen in der historischen Musikstadt im Bundesstaat Tennessee können aufatmen.

Gegen zwei Uhr morgens Ortszeit sei die knapp 14,6 Meter hohe Flutwelle in Memphis angekommen, berichtete Bill Borghoff, ein Sprecher des Nationalen Wetterdienstes. Zwar standen am Dienstag Teile der Stadt unter Wasser, die erwartete Katastrophe blieb jedoch aus, die Rekordmarke von 14,84 Metern aus dem Jahr 1937 wurde knapp verfehlt.

Doch die rund 920.000 Menschen im Großraum Memphis müssen weiter bangen: Die hohen Wasserstände könnten sich bis zu 36 Stunden halten. Das Wasser sinke unter Umständen binnen fünf Tagen nur um 30 Zentimeter, kündigte ein Ingenieur der US-Armee an. Die Dämme müssen damit weiter großem Druck standhalten.

"Der Fluss, der hier normalerweise eine halbe Meile breit ist, ist nun auf drei Meilen (4,8 Kilometer) angewachsen", schätzte ein Augenzeuge. Tiefer liegende Teile von Memphis wurden von brauner Brühe überspült. In einigen Vierteln der Stadt erreichte das Hochwasser die Fenster im ersten Stock der Häuser und schwappte über geparkte Autos hinweg.

"Bis die Menschen in den tiefer gelegen Gebieten der Stadt in ihre Häuser zurückkönnen, wird es Tage, vielleicht Wochen dauern", sagte Tammie Tich vom Roten Kreuz. Es werde lange dauern, bis die braune Brühe abgeflossen sei. "Immerhin sind wir mit einem blauen Auge davongekommen", sagte sie.

Furcht verlagert sich flussabwärts

Weiter flussabwärts sind die Menschen das Schlimmste gefasst: Einige Meilen von Memphis entfernt rüsteten sich Farmer für die stark verschmutzten Wassermassen des "Old Man River". Mit selbst gebauten Dämmen versuchten sie, ihre Felder zu schützen. "All mein Getreide ist so gut wie verloren", sagte ein Farmer dem Radiosender npr. "Eigentlich ist das alles umsonst, aber es wäre auch nicht gut, gar nichts zu tun."

Auch im Mississippi-Delta wuchs die Furcht vor der stetig schwellenden Welle. Im Ort Angola im Bundesstaat Louisiana wurden die ersten von 5000 Insassen des Staatsgefängnisses in Sicherheit gebracht. Nördlich von New Orleans war am Montag ein Ablauf des Mississippi geöffnet worden, um für Entlastung zu sorgen. Von dort fließt das Hochwasser in den Pontchartrain-See und dann in den Golf von Mexiko. Das Ingenieure der US-Armee plädierten dafür, einen weiteren Not-Ablauf zu öffnen.

1937 hatte der Mississippi einen Rekord erreicht: Damals war der Wellenkamm des Flusses nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes 14,84 Meter hoch. Rund 500 Menschen starben in den Fluten, mehr als 80.000 Quadratkilometer wurden überschwemmt - eine Fläche größer als Bayern. Auch 1927 hatte es eine verheerende Überschwemmung gegeben.

siu/dpa/AP