Mengele-Briefe aufgetaucht Todesengel ohne Reue
São Paulo -Die zufällig gefundenen Dokumente werfen Licht auf einige der letzten Gedanken und Lebensumstände von Mengele, der bis zu seinem Tod bei einem Badeunfall 1979 seine Gräueltaten nicht bereut hat. Der Inhalt der 85 Schriftstücke, die seit 1985 in den Archivschränken der brasilianischen Bundespolizei in São Paulo vergilbten, ist jetzt in größtenteils vom Deutschen ins Portugiesische übersetzten Auszügen exklusiv von der Zeitung "Folha de S. Paulo" veröffentlicht worden. Die Echtheit der Dokumente wurde der Nachrichtenagentur dpa gestern nach eigenen Angaben von der Bundespolizei bestätigt.
In einem Brief an seinen österreichischen Freund Wolfgang Gerhard vom 3. September 1974 bedauert Mengele etwa, dass eine seiner Nichten Braut eines deutschstämmigen Brasilianers sei, dessen Familie nicht mit der "Arier-Ideologie" einverstanden sei. Im Januar 1976 schreibt er in seinem Tagebuch laut "Folha", dass er gerade die Memoiren von Hitlers Rüstungsminister Albert Speer (1905-1981) lese. Bezüglich der Reue und der Fehler, die Speer eingesteht, schreibe Mengele dem Sinn nach: "Er hat sich erniedrigt und zeigt Reue, was bedauerlich ist."
In einem der wenigen Briefe, von denen die Zeitung ein Foto veröffentlichte, verteidigt Mengele die "Andersartigkeit der Rassen" mit Beispielen wie: "Auch haben nicht alle Rassen bzw. Völker die gleich große Kulturleistung vollbracht, was zu dem Schluss zwingt, dass nicht alle rassisch-völkischen Gruppen gleich schöpferisch begabt sind."
In einem Text von 1969 kommentiert Mengele unter anderem in einer von der Zeitung übersetzten Passage die "kritiklose Hinnahme der israelischen Überfälle auf Palästinenser" und bezeichnet die damalige deutsche Jugend als "entartet". Aus anderen Briefen gehe hervor, dass Mengele vor seinem Tod offenbar einsam war und finanzielle Probleme hatte.
Die Papiere wurden 1985 in Wohnungen von Freunden und Bekannten Mengeles sichergestellt. Das Ziel der damaligen Aktionen der Behörden war die Identifizierung der exhumierten Gebeine von Mengele, die unter falschem Namen auf einem Friedhof von São Paulo lagen.