Metzler-Prozess Verteidiger fordert lebenslange Haftstrafe
Frankfurt am Main - Der Anwalt der als Nebenkläger auftretenden Familie, Eberhard Kempf, verlangte am Donnerstag, bei dem 28-Jährigen eine besondere Schwere der Schuld festzustellen, die eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren verhindert. Kempf sagte vor dem Frankfurter Landgericht, Gäfgen habe den elfjährigen Jakob im September 2002 heimtückisch, aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat ermordet. Alleiniges Ziel der seit Monaten geplanten Tat sei es gewesen, eine Million Euro zu erpressen, um ein Leben in Luxus führen zu können.
Damit schloss sich die Nebenklage in vollem Umfang den Plädoyers der Staatsanwaltschaft an. Kempf sagte, Gäfgen habe, anders als von seinem Verteidiger zu Beginn des Prozesses angekündigt, kein "umfassendes und schonungsloses" Geständnis abgelegt. Vielmehr habe der 28-Jährige im Verlauf des Prozesses nur das zugegeben, was ohnehin nicht mehr zu leugnen gewesen sei.
Sogar Eltern und seine Freundin habe Gäfgen für die Entwicklung seines Charakters mitverantwortlich gemacht. Die minderjährige Freundin sei jedoch nicht der Auslöser für die Tat gewesen. Gäfgen habe das Mädchen vielmehr "gekauft", um sein Wunschbild vom erfolgreichen Junganwalt zu perfektionieren. Es stelle sich die Frage, ob Gäfgen überhaupt eine moralische Instanz oder ein Gewissen kenne, sagte Kempf.
Gäfgens Anwalt Hans Ulrich Endres bat in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Frankfurt darum, auf die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld zu verzichten. Folgen die Richter der Schwurgerichtskammer diesem Antrag, könnte Gäfgen trotz lebenslanger Haftstrafe nach 15 Jahren vorzeitig entlassen werden.
Gäfgen habe den Mord zugegeben, den er lange vorher geplant hatte, sagte sein Anwalt. Aber die Umstände der Tat gingen nicht über die Definition des Mordparagrafen im Strafgesetzbuch hinaus. Endres betonte, es bestehe eine große Diskrepanz zwischen der Täterpersönlichkeit und der Tat. Gäfgen habe immer Anerkennung gesucht, sich deshalb beispielsweise auch in der Kirche engagiert. "Bis zuletzt" habe er innerlich gehofft, dass er bei der Tatausführung gestoppt wird, sagte Endres.