Mexiko Hunderttausende Menschen von Wassermassen eingeschlossen
Villahermosa - In der größtenteils unter Wasser stehenden Hauptstadt Villahermosa warteten immer noch Menschen auf Dächern ihrer Häuser auf Rettung. Etwa 900.000 Menschen, das ist fast die Hälfte der Einwohner Tabascos, mussten ihre überfluteten Häuser verlassen, 300.000 von ihnen konnten zunächst nicht von den Rettungskräften erreicht werden, wie Gouverneur Andres Granier erklärte. Allein in der Hauptstadt Villahermosa waren nach Angaben des Zivilschutzes 100.000 Menschen von den Wassermassen eingeschlossen.
Mindestens eine Person kam nach Behördenangaben ums Leben. Es gab Berichte über Plünderungen, die Behörden warnten vor dem Ausbruch von Krankheiten. Auch aus dem südlich an Tabasco angrenzenden Staat Chiapas wurde Hochwasser gemeldet. Dort waren mehr als 100.000 Menschen betroffen.
Angesichts der schwersten Überschwemmungen seit einem halben Jahrhundert hat der mexikanische Präsident Felipe Calderón eine Auslandsreise abgesagt. Calderón hätte von Dienstag bis Donnerstag Panamá, Kolumbien und Peru besuchen sollen.
Inzwischen wurde im Kampf gegen die Hochwasserkatastrophe die gesamte Luftwaffe Mexikos mobilisiert. Mit einer Luftbrücke in den Bundesstaat Tabasco würde die besonders betroffene Hauptstadt Villahermosa versorgt und Menschen von dort in Sicherheit gebracht, sagte Calderón bei einem Besuch in der Krisenregion. Er forderte private Fluggesellschaften auf, die Hilfsmaßnahmen zu unterstützen: "Wir befinden uns in einer sehr kritischen Situation." Die Armee sollte zudem mit Patrouillen weitere Plünderungen in der Stadt mit 500.000 Einwohnern verhindern.
Verwüstungen in Haiti und der Dominikanischen Republik
Die heftigen Niederschläge in Mexiko hatten allerdings nichts mit Tropensturm "Noel" in der Karibik zu tun. Der zum Hurrikan heraufgestufte "Noel" hat die Karibik inzwischen verlassen und bedroht nun die Ostküste der USA und Kanadas. In Haiti, wo mindestens 48 Menschen bei den Überschwemmungen und Erdrutschen starben, die der Regen von "Noel" verursacht hatte, regnete es weiter. UN-Hubschrauber konnten deshalb nicht starten, um ein genaues Bild von den Verwüstungen zu bekommen.
In der benachbarten Dominikanischen Republik kamen mindestens 79 Menschen ums Leben, etliche wurden noch vermisst. Deutsche Hilfsorganisationen riefen zu Spenden für die Opfer auf. Benötigt würden vor allem Lebensmittel, Medikamente und Material zur Reparatur von Hütten und Häusern, teilte die Diakonie Katastrophenhilfe in Stuttgart mit. Die Welthungerhilfe will nach eigenen Angaben in der Dominikanischen Republik Nahrungsmittel und Trinkwasser an rund 4000 Menschen verteilen, außerdem Moskitonetze und -spray, da nach Ende des Regens mit einer Mückenplage gerechnet wird.
cai/ap/reuters/dpa/afp