Klüger werden mit: Midas Dekkers
SPIEGEL: In Ihrem Buch »Von Larven und Puppen« behaupten Sie, man solle Kinder nicht wie Menschen behandeln. Ist das Ihr Ernst?
Dekkers: Ja. Ich habe Kinder intensiv so beobachtet, wie man es sonst nur mit Insekten tut. Mit diesem biologischen Blick sieht man: Ein Kind ist ein ganz anderes Wesen. Kinder sind Larven des Menschen, so wie Raupen Larven der Schmetterlinge sind. Wie Raupen haben Kinder nur eine Aufgabe: zu wachsen, das heißt zu fressen. Sind sie groß genug, verpuppen sich Raupen und schlüpfen als Schmetterlinge. Kinder machen so eine Metamorphose während der Pubertät durch.
SPIEGEL: Wenn Menschen und Insekten den gleichen Gesetzen gehorchen - sollten Eltern ihre Kinder dann anders erziehen?
Dekkers: Man kann Kinder nicht zu einem guten Erwachsenen aufziehen. Eltern können nur zuschauen und alles tun, damit das Kind eine gute Larve sein kann. Sie müssen ihm vor allem Liebe und Essen geben.
SPIEGEL: Alle Debatten um Erziehung, Schule und Bildung sind umsonst?
Dekkers: Ich bin kein Erziehungsexperte, sondern Biologe. Als solcher wollte ich ein anregendes, amüsantes Buch über Kinder schreiben, das nicht durch die rosafarbene Brille der Rührung getrübt ist. Es gibt genug Bücher über Kinder, geschrieben von Menschen, die viel für Kinder übrig haben und von Biologie wenig wissen. Ein Kind ist kein Fass, in das man Wissen einfüllen muss. Es ist eher ein Schwamm, der Wissen aufsaugt.
SPIEGEL: Mögen Sie Kinder?
Dekkers: Ja doch. Aber ich bilde mir nicht ein, sie zu verstehen. Das geht nämlich nicht, weil ich nichts mit ihnen gemeinsam habe. Ich behaupte sogar, mit allen 57-Jährigen mehr gemeinsam zu haben, als mit dem Kind, das ich einmal war.