Gestorben Mike Davis, 76
Verso Books
Ausgerechnet mit einem Sachbuch über Lokalpolitik wurde Mike Davis 1990 berühmt: In »City of Quartz« beschrieb der Historiker Korruption, Rassismus und Machtspiele in seiner Heimatstadt Los Angeles so eindringlich, dass es sich wie ein Thriller las. Für eine Generation von progressiven Reportern und Stadtsoziologen wurde er damit zum Vorbild. Als 1992 die Proteste gegen den Freispruch gewalttätiger Polizisten im Fall Rodney King in Los Angeles eskalierten, hieß es, Davis habe die Unruhen vorausgesagt. »Prophet des Untergangs« war fortan sein Spitzname. Davis arbeitete als Fleischer, studierte und wurde Dozent für Stadtsoziologie und kreatives Schreiben. Er veröffentlichte 20 Sachbücher, darunter eine viel beachtete Studie über Umweltkatastrophen. 2020 wurde Speiseröhrenkrebs bei ihm diagnostiziert. »Wenn ich eine Sache bedauere«, sagte er in einem Interview im Juli, »dann ist es, dass ich nicht in einer Schlacht oder auf einer Barrikade sterbe, so wie ich es mir immer romantisch ausgemalt habe.« Mike Davis starb am 25. Oktober in San Diego.