Militär US-Pilotin klagt gegen Schleierzwang
Washington - Martha McSally ist eine hochdekorierte erfahrene Kampfpilotin. Bis vor kurzem kommandierte die 35-Jährige auf dem Prinz-Sultan-Stützpunkt in Saudi-Arabien eine Kampfjet-Einheit. Die Männer standen vor der 1,60 Meter großen Frau stramm.
Doch ihren Stützpunkt durfte die Texanerin nur in Begleitung eines Mannes verlassen. Außerdem musste sie eine Abaya, ein langes schwarzes Gewand, und ein Kopftuch tragen, im Auto durfte sie nur hinten sitzen.
Das haben sich nicht etwa die saudi-arabischen Gastgeber für die rund 900 weiblichen US-Militärs in ihrem Land ausgedacht, die Vorschriften kommen aus dem Pentagon in Washington. Bei Zuwiderhandlung droht das Militärgericht.
"Albern und überflüssig", findet McSally die Kleider- und Benimmordnung und hat deswegen ihren obersten Dienstherren verklagt. Das ist US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Die Pilotin sieht ihre Autorität untergraben, Moral und Disziplin unter den Soldaten würden schwinden. Zudem werde so das falsche Signal ausgesendet: Frauen seien Menschen zweiter Klasse.
Sicherheit vor Religionspolizei
Das Pentagon sieht das anders. "Es ist eine Frage der Sicherheit", sagt Militärsprecher Matthew Klee. "Wir wollen nicht, dass unsere Leute zu sehr auffallen." Die Soldatinnen verhüllten sich außerdem zu ihrem eigenen Schutz.
So seien sie vor der saudi-arabischen Religionspolizei sicher. Es handele sich um eine Geste des Respekts gegenüber den Gastgebern, die dieses altertümliche Gebaren von Frauen verlangten.
Das bestreitet McSally. Die saudi-arabische Regierung habe die Kleiderordnung nicht verlangt. Weder die Ehefrauen von Soldaten noch zivile Angestellte der US-Regierung müssten die Abaya tragen, aber sie als Soldatin.
Die Pilotin hat sich offenbar den Kampf gegen unsinnige Kleiderordnungen auf die Fahnen geschrieben. Vor sieben Jahren hat sie schon einmal geschafft, entsprechende Vorschriften zu ändern. Seitdem müssen amerikanische Soldatinnen nicht mehr lange Jogginghosen tragen, wenn sie in Kuweit Sport treiben.