Millionenklage Urteil gegen Boris Becker im Dezember
München - Offenbar wird es nicht so einfach für den Insolvenzverwalter von Sportgate, seine Millionenforderung gegen Ex-Tennisstar Becker durchzusetzen. Der Vorsitzende Richter am Landgericht München I machte am Donnerstag bei einem Gütetermin aus seinen Zweifeln keinen Hehl: "Die Klageforderung hat Haken und Ösen."
Der Richter erklärte, er könne nicht nachvollziehen, wie Insolvenzverwalter Hartwig Albers in seiner Klage gegen Becker auf eine Forderung von 1,5 Millionen Euro plus Zinsen komme. Nach seiner Kenntnis habe Sportgate, zu dessen Anteilseignern Boris Becker zählt, bis Ende Mai 2001 nur einen Fehlbetrag von rund 500.000 Euro ausgewiesen.
Das Gericht forderte die Prozessparteien auf, eine außergerichtliche Einigung zu suchen. Beckers Anwälte boten die Zahlung von rund 50.000 Euro an, was der Insolvenzverwalter aber als zu wenig ablehnte. Die 12. Zivilkammer des Landgerichts begann daraufhin, sich näher mit einer angeblichen Zusage Beckers zu beschäftigen, auf der Albers seine Klage gründet. Der Insolvenzverwalter erklärte, Becker habe zugesichert, Verluste von Sportgate in einer Höhe von bis zu 1,5 Millionen Euro auszugleichen. Der frühere Tennisprofi bestreitet dies.
Nach dem Scheitern einer gütlichen Einigung ist mit einem längeren Verfahren samt Hauptverhandlung zu rechnen.
Das Online-Portal Sportgate sollte die Vereine des Deutschen Sportbundes unter einem gemeinsamen Dach ins Internet bringen. Im Sommer 2001, nur wenige Monate nach der Eröffnung, musste die Firma Insolvenz . Zwischen den Anteilseignern, unter ihnen Becker, war es zuvor zu Meinungsverschiedenheiten gekommen.
Becker steht nach seinem verlorenen Steuer-Prozess zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres vor einem Münchener Gericht. Eine Niederlage wäre ein weiterer Rückschlag für den einstigen Tennisstar, der 1999 seine Profikarriere beendet hatte.
Im Oktober 2002 hatte das Landgericht Becker wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 500.000 Euro verurteilt. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass Becker dem Fiskus jahrelang einen Wohnsitz im Münchener Nobelstadtteil Bogenhausen verschwiegen und so 1,7 Millionen Euro vorenthalten hatte. Offiziell lebte Becker seit 1984 im Steuerparadies Monaco. Vor dem Steuerprozess hatte er bereits dem Finanzamt mehr als drei Millionen Euro an Steuerschulden zurückgezahlt.
Auch beim Aufbau einer neuen Karriere musste Becker Niederlagen einstecken: Neben Sportgate stellte seine Sportler-Agentur BBM ihre Geschäfte ein.