Milzbrand-Ermittlungen: Stochern im Dunkeln - DER SPIEGEL
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Milzbrand-Ermittlungen Stochern im Dunkeln

Die USA haben offenbar keinerlei Erkenntnisse über die Hintermänner der Anthrax-Anschläge. Sie hoffen aber, dass das Schlimmste überstanden ist.
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Washington/Islamabad - Auf der Suche nach den Bioterroristen tappen die US-Behörden bisher völlig im Dunkeln. Dies wurde auch gestern deutlich, als ein hoher FBI-Beamter vor US-Senatoren Auskunft über den Stand der Ermittlungen gab.

Auch einen Monat nach dem Fund des ersten Milzbrandbriefes wisse man noch nicht einmal, wie viele Laboratorien in den USA legal mit den Anthrax-Bakterien forschten, berichtet der Ermittler. Auch sei unklar, wie viele Forscher zu dem speziellen Erreger-Typus Zugang hatten, der in den Briefen gefunden wurde. Experten schätzen die Zahl auf über tausend Personen.

"Ich bin sehr überrascht, wie wenig die wissen", sagte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein nach dem Treffen. Das FBI stellte weiter klar, dass es immer noch völlig offen sei, ob die Milzbranderreger aus Labors im In- oder Ausland stammten. In der Vergangenheit wurde in den USA auch darüber spekuliert, dass rechtsradikale Amerikaner hinter den Anschlägen stecken könnten.

Trotz der Ahnungslosigkeit über die Hintermänner der Bio-Attentäter herrscht zumindest eine gewisse Erleichterung, dass seit längerem keine neuen Anthrax-Infektionen bekannt wurden und der Stand der Erkrankten bei 17 verbleibt. "Das sind gute Nachrichten", sagte Gesundheitsminister Tommy Thompson.

Acht Tage nach dem letzten neuen Milzbrand-Fall wächst bei den Amerikanern die Hoffnung, dass das Schlimmste erst einmal überstanden ist. "Was diese Episode (mit den Anthrax-Briefen) angeht, sind wir aus dem Gröbsten raus", sagte Anthony Fauci vom Nationalen Gesundheitsinstitut NIH.

Sorge bereitet den Behörden allerdings, dass immer noch nicht geklärt ist, wie die New Yorker Krankenhausangestellte Kathy Nguyen sich den tödlichen Erreger zuzog. Mit jedem Tag, der ohne einen neuen Fall einer nicht erklärbaren Infektion vergehe, werde es aber unwahrscheinlicher, dass es sich bei Ngyuens Erkrankung um den Auftakt einer neuen Welle von Bioanschlägen mit unbekannten Übertragungswegen handele, sagte Fauci. Die Wachsamkeit in den USA sei jedoch weiterhin sehr hoch.