Milzbrand: Zehntausende verseuchte Briefe? - DER SPIEGEL
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Milzbrand Zehntausende verseuchte Briefe?

Die Milzbrandgefahr in den USA ist weiterhin nicht gebannt. Sicherheitsmaßnahmen verpuffen, weil Briefverteileranlagen mit Milzbranderregern verseucht sein könnten. Möglicherweise besteht auch bei Briefen ins Ausland Gefahr.
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Hamburg - Der Direktor des Zentrums für Seuchenkontrolle, Jeffrey Koplan, teilte mit, dass vermutlich Zehntausende Briefe mit den Milzbrand-Erregern in Berührung gekommen sind. Sie liefen durch Postsortieranlagen, die bereits kontaminiert waren. Es sei zu einer Art Kettenreaktion gekommen. Ein verseuchter Brief habe durch eine Kreuzkontaminierung andere Postsendungen infiziert. Es sei schwer abzuschätzen, wie groß die Gefahr durch solche Briefe sei, sagte Koplan.

Post nicht selbst öffnen

Kürzlich starb eine 94-Jährige Frau aus Connecticut an Lungenmilzbrand, nachdem sie mit einem Anthrax-Brief in Berührung gekommen war. Ein direkter Zusammenhang zwischen der Kreuzkontaminierung und der Frau lasse sich zwar nicht nachweisen, sei aber sehr wahrscheinlich.

Für die Allgemeinheit bestehe keine Gefahr, gab Gesundheitsminister Tommy Thompson gestern am späten Nachmittag bekannt. Allerdings wäre es besser, wenn Leute mit einem geschwächten Immunsystem ihre Post nicht selbst öffnen.

Eingangs hatten die Experten erklärt, dass es nur zu einer Infektion käme, wenn der Milzbrand-Brief geöffnet wird. Nun mussten sie aber einräumen, dass selbst ein versiegelter Brief eine tödliche Infektion nach sich ziehen könnte, wenn er zuvor mit einem verseuchten Brief in Berührung gekommen ist. So fanden sie Anthrax-Spuren in der Poststelle in Connecticut, die auch den Brief an die 94-Jährige verteilte und auch auf einem Brief, der an eine Nachbarfamilie adressiert war.

Verbreitung per Briefstempel

Auch eine 61-Jährige Frau aus dem New Yorker Stadtteil Bronx könnte einer Kreuzkontaminierung zum Opfer gefallen sein. Ein an sie adressierter Brief durchlief am 9. Oktober zeitgleich mit infizierten Briefen an zwei US-Senatoren eine Postanlage in New Jersey.

Sogar das Abstempeln der Briefe könne die Anthrax-Spuren verbreiten. Das Infektionsrisiko schätzen die Experten dennoch gering ein. Immerhin seien nun schon seit beinahe zwei Monaten infizierte Briefe im Umlauf, und die beiden Frauen seien die Einzigen, die sich möglicherweise auf diesem Wege infiziert haben könnten. Für Einzelpersonen sei die Gefahr klein, erklärte Koplan in der US-Zeitung "New York Times"- nur für einen von mehreren Millionen bestehe eine Infektionsgefahr.

Bisher wurden in 20 Poststellen und Verteilungszentren Spuren von Anthrax gefunden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, so Koplan, dass sich noch mehr Menschen infiziert haben. Möglicherweise gingen auch Briefe mit Anthrax-Spuren ins Ausland.