Miss America Bieder im Bikini
Las Vegas - Unter den Teilnehmerinnen der Wahl zur Miss USA soll ein Sprichwort kursieren: Miss America ist das Mädchen von nebenan, Miss USA hingegen ist das Mädchen, von dem du dir wünschst, dass es nebenan wohnt. Schönheitswettbewerbe sind in den USA immens populär, die Einschaltquoten ebenso riesig wie die Konkurrenz der teilnehmenden Mädchen zueinander. Im Vorfeld der Wahlen führen Veranstalter und Fans der Wahlen zur Miss America und Miss USA regelmäßig einen publicityträchtigen Krieg der Worte.
"Wir versuchen, dasjenige junge Mädchen zu finden, das in der Lage ist, Amerika zu repräsentieren", sagt Art McMaster, Chef der Miss-America-Organisation. Die Siegerin erhält ein mit 50.000 Dollar dotiertes einjähriges Stipendium. In den Augen seiner Anhänger gilt der Wettbewerb als der reifere, die Veranstaltung habe mehr Ernst und Substanz. Schließlich sei ein Talentwettbewerb fester Bestandteil der Show, während die Miss-USA-Anwärterinnen lediglich im Bikini über den Laufsteg gehen, ein kurzes Interview auf der Bühne führen und sich im Abendkleid präsentieren müssten.
Allerdings nehmen auch die Veranstalter der Miss-USA-Wahlen, unter ihnen der Immobilien-Tycoon Donald Trump, für sich in Anspruch, mehr als einen reinen Schönheitswettbewerb zu bieten. Die Siegerinnen seien durchweg "clevere und zielorientierte" junge Frauen, stets darauf bedacht, an ihren Karrieren zu arbeiten und anderen zu helfen, heißt es auf der Website der Organisation.
Miss USA wurde erstmals 1952 anlässslich einer Bademoden-Präsentation im kalifornischen Long Beach gekürt - die nächste Schönheitskönigin soll Ende März in Los Angeles gekrönt werden. Die Wahlen zur Miss America, die am Montag in einem Hotel-Casino in Las Vegas stattfinden werden, haben ihren Ursprung in einer Bade-Revue, die im Jahr 1921 Touristen nach Atlantic City locken sollte. Die Teilnehmerinnen der traditionsreicheren Wahl fürchten regelmäßig, dass die Skandälchen der Konkurrenz dem eigenen Image schaden könnten.
So hat sich die 21-jährige Miss USA Tara Conner Anfang Januar in einer Entzugsklinik behandeln lassen, nachdem sie wegen ausschweifender Partynächte in New Yorks Clubs beinahe ihren Titel verloren hätte. Besonderen Anstoß nahmen die Veranstalter daran, dass Conner bei ihren Barbesuchen noch minderjährig gewesen sein soll. Eine Kollegin von ihr, Miss Nevada USA, wurde umgehend entthront, nachdem anzügliche Fotos von ihr im Internet aufgetaucht waren.
Niemand kenne den Unterschied zwischen den beiden Wettbewerben, sagt Miss-America-Teilnehmerin Angela Corsi aus Michigan. Sie fürchte, dass derartiges Verhalten Vorurteile gegenüber Schönheitswettbewerben schüren könne. "Ich glaube, viele Leute haben schon eine falsche Vorstellung", so Corsi. Miss-America-Anhänger mokieren sich auch darüber, dass die Konkurrenz von den Teilnehmerinnen eine Art Teilnahmegebühr verlange. "Sie bezahlen Geld, um hübsch auszusehen und im Bikini herumzulaufen. Wir hingegen bekommen Geld dafür, dass wir talentiert und gut gebaut sind", sagt Miss Alaska Stephanie Wonchala.
Doch auch die braven Teilnehmerinnen des Miss-America-Wettbewerbs sind offenbar nicht immer so moralisch gefestigt, um den Verlockungen des Show-Geschäfts zu widerstehen: Der Miss America von 1984, Vanessa Williams, wurde der Titel nachträglich aberkannt, genau wie Rebekah Revels, der Miss North Carolina 2002. Sie hatten für Nacktfotos posiert.
jto/AP