Miss-Stimmung Deutschlands Schönste dankt ab
Berlin - Ihr Titel steht einer Karriere im Wege, findet Wrobel und will das Krönchen deshalb abgeben. Ihr Anwalt Christian Schertz bestätigte am Donnerstag, dass seine Mandantin ihren laufenden Vertrag mit der Miss Germany Corporation (MGC) gekündigt hat. Er relativierte allerdings Medienberichte, wonach die 24-jährige Berlinerin dies vor allem gemacht habe, weil der Vertrag sittenwidrig sei. Gemeint sind Klauseln, wonach Wrobel während ihrer Zeit als "Miss Germany", die jedes Jahr neu gewählt wird, nicht heiraten und auch keine Nacktaufnahmen von sich machen lassen darf.
"Der Vertrag ist unserer Auffassung nach zum Teil sittenwidrig, aber darauf kommt es hier nicht an", sagte Schertz. Es gehe vielmehr darum, dass Katrin Wrobels "Vermarktungsmöglichkeiten" über die einer "Miss Germany" hinausgingen. So könne sie etwa als Moderatorin, professionelles Model oder in der Werbung arbeiten. Und dafür brauche sie ein anderes Management. Dabei sieht Schertz seine Klientin keineswegs an die MGC gebunden: "Der Vertrag ist aus unserer Sicht jederzeit kündbar wegen der besonderen Vertrauensstellung."
MGC-Geschäftsführer Ralf Klemmer hält den Vertrag dagegen weiterhin für gültig. Er hoffe, dass er mit Wrobel noch zu einer Einigung kommen könne. Wenn nicht, müsse die Schönheitskönigin ihre Ende Januar bei der "Miss Germany"-Wahl in Berlin errungene Krone abgeben. In 42 Jahren sei ihm so etwas noch nicht untergekommen, sagte Klemmer weiter, der seit 1960 Miss-Wahlen in Deutschland ausrichtet. Alle Bewerberinnen wüssten vorher, unter welchen Bedingungen sie sich zur Wahl stellten. Im Übrigen sei es weltweit üblich, dass eine Miss während ihrer Amtszeit keine Nacktaufnahmen machen und nicht heiraten dürfe.
Nach Wrobels Kündigung ist offen, wer für Deutschland bei der Wahl der "Miss World" im November in Nigeria antreten wird. Falls sich der Streit nicht beilegen lasse und Wrobel ihre Krone tatsächlich abgeben sollte, könne sie jedenfalls nicht dabei sein, erklärte Klemmer. Dann werde die Zweitplatzierte der Miss-Wahl von Berlin die deutsche Krone übernehmen. Dies war "Miss Hessen" Simone Wolf-Reinfurt.
Die zahnmedizinische Fachassistentin Wrobel hatte damals von einer Jury aus Vertretern von Medien, Sport und Show-Business die meisten Punkte erhalten und den Titel vor 2000 Zuschauern unter Tränen entgegengenommen. Im Fernsehen ist sie derzeit regelmäßig in der Sendung "Glücksrad" auf "Kabel 1" zu sehen, die jedoch im Herbst eingestellt werden soll.
Sollte sie ihren Titel tatsächlich abgeben müssen, fände Anwalt Schertz das nicht so tragisch. Schließlich würde dies nichts an der Tatsache ändern, dass sie ihn einmal errungen habe und darauf auch hinweisen dürfe. "Das wird immer zu ihrem Leben gehören."